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Von Eckernförde zum historischen Ochsenweg 61,2 km

Von den Bergen Tirols in die Ebene zur Sorge

Schon einige Male habe ich den Ochsenweg, auf seinem historischen Abschnitt zwischen Kropp und Rendsburg, gekreuzt. Eine alte, breite Allee, viiieeel Sand, Heide und Wald. Und immer wieder die Frage was kommt dort noch? Der Samstag ist frei, also rauf aufs Rad und nachgeschaut. Um etwas mehr Abwechslung in den Tag reinzubringen, fahre ich noch durch Tirol. Nein nicht das Tirol in Österreich. Drei Häuser in den Hüttener Bergen und ein Lauschposten der Bundeswehr, heißen hier auch Tirol. Mit 69 Metern Höhe wird die Luft hier nicht dünner, aber die Aussicht reicht bei klarem Wetter bis fast nach Nordfriesland.

Wer Samstag hier durch die Dörfer fährt, sollte etwas zum Essen in seinen Taschen haben. Eigentlich wollte ich in Owschlag kurz halt bei einem Bäcker machen und dann nach Kropperbusch fahren. Immer dieses Eigentlich. Außer einem Kiosk an einer Tankstelle, hat hier kein Laden mehr geöffnet. Bürgersteige hochgeklappt, Wochenende eingeläutet. Die Speisekarte mit Bismarckhering, Würstchen und anderen kulinarischen Genüssen, entspricht so gar nicht meinen Vorstellungen. Der Müsliriegel in der Lenkertasche überzeugt mich zum Weiterfahren.

Auf zur „Ochsenweger Seenplatte“

historischer Ochsenweg
Historischer Ochsenweg

Nach der Exkursion durch Owschlag, stehe ich nun am falschen Ende des Dorfes und keine Lust wieder zurück zu fahren. Schnell steht der Entschluss fest, auf einen Teil des Ochsenwegs zu verzichten. Zwischen Owschlag und Ochsenweg führt das Sträßchen durch Knicks und Felder. Absolut ruhig ist es hier. Einzig ein Bauer der eine Rolle Heu vom Feld holt, unterbricht das Vogelpiepen. Inzwischen ist es auch richtig warm geworden und ich verfluche es, das Trikot mit den langen Armen angezogen zu haben. Immerhin kann ich mich der Beinlinge entledigen. Was für eine praktische Erfindung diese einfachen Stoffschläuche doch sind.

Nun biege ich endlich auf dem historischen Ochsenweg ein. Ein breites Band aus Sand und tiefen Mulden erwartet hier den Fahrradfahrer. An den dunklen Spuren in den Mulden, lässt sich der Wasserstand nach dem letzten Regen ablesen. Riesige Seen säumten hier den Weg. Eine Art Ochsenweger Seenplatte hat sich hier wohl ausgebreitet. Mal ist der Sand einigermaßen fest, öfter eher recht locker und mal fühlt es sich an als wollte er ganze Reifen verschlingen. Mit dem Blick auf dem Weg geheftet und nach der besten Spur suchend, eiere ich über die Piste. Das Weg und Landschaft recht schön sind, es eindringlich nach Harz und trockner Heide riecht, bleibt wegen der Konzentration auf Fahren leider im Hintergrund. Zwei andere Radler kommen mir schiebend entgegen und der Gruß zurück ist genauso mürrisch wie ihr Blick.

historischer Ochsenweg
Historischer Ochsenweg

An einer der Rastplätze mache ich kurz Pause um ein wenig die Landschaft und das Wetter genießen zu können. Danach suche ich den nächsten befestigten Weg und verlasse die Sandpiste. Schade dass durch die schlechte Qualität des historischen Ochsenwegs, die eigentliche Schönheit so in den Hintergrund getreten ist. In der Lüneburger Heide gibt es auf vielen ähnlichen Strecken einen mit feinem Kies befestigten Seitenstreifen für Radfahrer. Der Weg hier würde dadurch sehr an Attraktivität gewinnen.

Mach dir keine Sorge, sie ist schon da

Ohne Sorgen fahre ich über die Sorge, geh mit dem Fotoapparat auf Jagd nach Libellen, die immer genau die Sekunde schneller sind als ich und einige Dörfer später erreiche ich wieder den Rand der Hüttener Berge. Im Garten des Café Töpferhaus sind leider alle Tische schon besetzt. Bis auf einen klitzekleinen am Eingang. Ein altes Nähmaschinengestell mit einer Tischplatte bietet gerade genug Platz für zwei Stühle und die Tasse und den Kuchen.

Keramik Café
Keramik Café

Drinnen möchte ich mir den Kuchen aussuchen und staune nicht schlecht, nur noch drei Stückchen in der Auslage vorzufinden. Die Chefin entschuldig sich, dass sie keine Zeit hat und rödelt hinter Tresen rum. Sie wirkt gestresst und auch ein wenig genervt. Nanu, sie ist doch sonst nicht so? Jetzt hat sie endlich Zeit. Sie entschuldigt sich dafür, dass so wenig Kuchen da ist und alles drunter und drüber läuft. In ihrem Café wurde die Nacht eingebrochen und sie musste sich mit der Spurensicherung beschäftigen und konnte daher nicht genug backen. Sie hat schnell noch zwischendrin einen frischen Apfelstreuselkuchen gebacken. Wenn mir nichts ausmacht, dass er noch ein bisschen warm ist, könnte ich auch davon haben. Ne, das macht überhaupt nichts. So frisch aus dem Ofen, schmeckt er noch viel besser als sonst.


  • Tirol

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