Deutschland,  Fahrradtouren,  Schleswig-Holstein,  Tagestouren

Geltinger Acht – Angeln Törn / 31 km

Die Halbinsel Angeln und die Geltiger Bucht

Wie schon beim Geltinger Birk Törn, starte ich wieder in Gelting. Der Angeln- und der Geltinger Birk Törn haben ein kleines Stück ihrer Strecke gemeinsam, somit ließen sie sich auch zu einer großen Acht verbinden (siehe am Ende des Beitrags).

„Jetzt wird´s LANGSAMZEIT“ – mal wieder in die Gegend der Langsamzeit zu fahren. „Jetzt wird´s LANGSAMZEIT“ – mit dem Slogan bewirbt sich auf jeden Fall Region nördlich der Schlei bei Ihren Gästen. Ich gestehe, dass ich viel zu selten dort mit dem Fahrrad unterwegs bin. Das liegt zum einen daran, dass es einfach zu nah dran ist. Da kommt man ja nie hin. Zu anderen stört mich immer wieder, die nicht gerade üppige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. So verschluckt die Anfahrt mit dem Rad, einen großen Teil der Kilometer und für die eigentliche Runde bleibt kaum Zeit mehr. Man muss ja nicht nur hin, sondern auch wieder zurück fahren. So muss heute ausnahmsweise Mal das Auto für den Transport herhalten.

Reetdachhaus in Gelting
Reetdachhaus in Gelting

Als Start habe ich Gelting ausgesucht. Es ist eine der wenigen größeren Orte hier auf der Halbinsel Angeln. Was nicht heißt, dass Gelting groß ist. Das Schönste sollte man sich für den Schluss aufheben. Daher rolle ich zuerst einmal hinein ins Angeliter Land. Noch trennt mich ein Radweg von den wenigen Autos die hier unterwegs sind, doch schon nach dem ersten Abzweig ist damit Schluss. Von hier aus sind die Straßen so klein und der Verkehr so gering, dass es sich bestens auf der Straße fahren lässt und man sich einen Radweg einfach sparen kann.

Schnell merkt man, dass hier die typische Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins noch weitestgehend intakt ist. Knicks trennen die Felder und Weiden und hier und da versteckt sich ein Haus zwischen den Knicks. Es sind meist kleine Höfe, die verstreut über das Land liegen. Dass hier die großen Gutshöfe weitestgehend fehlen, ist dem Prinz Carl zu Hessen geschuldet. Er kaufte Ende des 18 Jh., für 280 000 Reichstaler, das „adeliche Guth Roest“ und entließ, das bis dahin Leibeigene Volk, in die Freiheit. Dem Carl zu Hessen war es aber auch bewusst, dass – “ Die Freiheit allein für einen Leibeigenen nicht das alleinige Glück sei. Ihm müsse mehr „als die bloße Freiheit“ angeboten werden.“ Daher teilte er das Land auf und überließ es zur Pacht oder Kauf den einst Leibeigenen.

Kleine Dörfer und taube Katzen

Viele kleine Parzellen machten viele kleine Höfe notwendig. So kommt man alle paar Kilometer durch ein Dorf durch oder fährt an einen einsam stehenden Haus vorbei. An einem dieser Häuser wird vor tauben Katzen gewarnt. Ich wusste bisher nicht, dass taube Katzen etwas Besonderes sind. Zumindest kenne ich keine die auf mich hört, wenn ich etwas sage. Es sei denn, es gibt Essen.

Katzen hören nur wenn es Essen gibt.
Katzen hören nur wenn es Essen gibt.

Eine kurze Zeit lang fahre ich am Waldrand entlang, bis ich das, von einem Teich umgebene, Gut Rundhof erreiche. Gerne würde ich ein Foto das alten Herrenhauses machen, doch egal wie ich es drehe und wende, immer ist etwas im Bild was stört. Na denn, auch egal. Mir bleibt ja noch das Bild im meinem Kopf.

In Niesgrau treffen die Bewohner noch die letzten Vorbereitungen für das Wochenende. Rasenmähen, Autowaschen, ein Schwätzchen mit dem Nachbarn halten. Ein Stück außerhalb Niesgraus, muss ich dann die wichtigste Verkehrsader in der Region überqueren. Von dieser Kreuzung aus, eröffnet sich der Blick über die Geltinger Bucht. Auf dem blau grünen Wasser ziehen weiße Dreiecke im Wind hin und her. Was den Segler Freud, ist des Radlers Leid. Der Wind hat aber heute einen guten Kompromiss für Radler und Segler gefunden.

Die Suche nach dem Schatz auf dem Ostseegrund

Die wenigen Höhenmeter die man bis hier erklommen hat, werden jetzt mit einem Rutsch zur Küste runter vernichtet. Noch an zwei drei hübschen Höfen vorbei, dann erreiche ich die Küste. Ich hatte diese Stelle schon erfolgreich aus meinem Gedächtnis verdrängt. Die Erinnerungen sind aber sofort wieder präsent, als ich um die Ecke fahre und auf die großen Steine der Uferbefestigung schaue, in die etwas Asphalt hineingegossen wurde, damit Radler irgendwie darüber hoppeln können. Willkommen auf dem Ostseeküsten-Radweg. Der Abschnitt ist zwar recht kurz, aber das was danach kommt, ist für den meist benutzen Fernradweg im Land auch nicht wirklich ein Aushängeschild. Auf dem einspurigen Plattenweg, lässt sich leidlich gut Radfahren, wenn kein Gegenverkehr kommt.

Einsam unterwegs
Einsam unterwegs

Der Ausblick über das sanft kräuselnde Wasser in der Geltinger Bucht, entschädigt für das Ungemach auf dem Fernradweg. Es ist erstaunlich ruhig hier. Trotz gutem Wetters und Urlaubszeit, sind hier immer noch wenige Menschen unterwegs. Ein paar Kinder spielen im seichten Wasser. Allem Anschein nach, gibt es auf dem Meeresgrund bedeutende Schätze zu heben. Die Funde der Knirpse werden mit Aahs und Oohs und lass auch mal sehen, lautstark kommentiert. Ein Versuch ist es ja wert. Ich ziehe die Schuhe aus und wate auch mal durch Wasser. Muscheln, Steine und ab und an seltsame Ringel kann ich entdecken. Der große Fund bleibt aber aus.

Noch ein Stück weiter, kann ich eines der Sehenswürdigkeiten der nächsten Tour, am gegenüberliegenden Ufer, entdecken. Hinter dem Schilf schaut die Erdholländermühle Charlotte heraus. Jetzt aber erst mal auf zum Endspurt. In Geltingen verlasse ich die vorgegebene Route und fahre ein Stück die Bundesstraße in Richtung Flensburg hinauf. Ein so schöner Radltag, sollte mit einem guten Stück Kuchen beendet werden. Und das Café für das Stück Kuchen, liegt nicht auf der vorgegebenen Route. Nur eine Katzensprung entfernt, in Lehbeck, wartet in Janbeck*s FAIRhaus ein Platz auf der Wiese unter einer alten Linde auf mich.


  • Energieriegel und Powerdrink


Geltinger Birk Törn und Angeln Törn zusammen als Geltinger Acht