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Holsteinische-Schweiz und Ostsee / Von Preetz bis Grömitz

Von Preetz bis Grömitz - 91,47 km

Preetz Bahnhof, eines dieser wunderschönen Radwegweiser zeigt mir an, es sind noch 20 Km bis Plön. Keine 10 Minuten Später nur noch 13 Km, dann 12 Km und weitere 5 Km später, schon etwas außerhalb, sind es wieder 18,1 Km. Muss ich nicht verstehen. Bis Plön vergehen dann doch ziemlich genau 20 Km.

Fahrrad am Strand
Optimal in Position gebracht!

Für diese Tour hatte ich mir vorgenommen öfter als sonst zu fotografieren. So nutze ich die erste schöne Aussicht von einer Anhöhe über einen See. Das Rad noch schnell in Position gestellt, es soll ja auch auf den Bild sein und dann die Kamera ausrichten. Ein Meter nach rechts oder doch lieber einen halben nach links? Etwas rauf, etwas runter und noch ein bisschen rechts. Endlich passt alles. Ich drücke auf den Auslöser und nichts passiert. Batterie leer. So muss das erste Bild noch ein bisschen warten.
In Plön versorge ich meine Kamera erst einmal mit frischen Batterien, bummele ein wenig durch die Fußgängerzone und bestelle mir im Café am Markt Pellkartoffeln mit Quark zum Essen. Beim Beobachten der Menschen kommt so langsam das Gefühl von Urlaub in mir hoch. Zum Abschluss trinke ich noch meinen Espresso und dann geht es weiter Richtung Küste.
Auf dem Weg nach Bad Malente begegne ich einem Schweden. Er kam während der letzten Eiszeit hierher, zarte 2 Milliarden Jahre jung wiegt der Wandhof-Findling im Findlingsgarten Kruezfeld aus Granit 126 Tonnen. Ohne ihn und den vielen anderen Steinchen die mit der letzten Eiszeit Skandinavien verlassen haben, gebe es heute keine Holsteinische Schweiz. Ein kleines Schild zeigt mir den Weg in die richtige Schweiz. Die mit den großen Bergen. Gerade mal 830 Km sollen es von hier aus sein. Ein verlockender Gedanke mal eben in die Schweiz zu radeln. Ich habe nur 4 Tage Zeit, so verschiebe ich die Idee auf ein andermal und fahre weiter Richtung Eutin.

Grundnahrungsmittel und Stadtrallye

In Eutin angekommen versorge ich erst einmal mit Grundnahrungsmitteln. Bananenmilch, Schokolade und einer Mohnschnecke. Mir ist nach einem Picknick. Beim Versuch Eutin mit Hilfe der Radwegebeschilderung zu verlassen, verliere ich die Orientierung. Überall stoße ich auf Parkplatzschilder, nur wie es hier wieder heraus geht das steht nirgendwo. Am Schloss kommt eine Gruppe

Eutiner Schloss im Schlosspark
Eutiner Schloss

junger Mädchen auf mich zu. Sie sind auf einer Stadtrallye und fragen mich ob ich mich hier auskenne. Als ich ihnen gestehe dass ich selbst nicht weiß wo ich bin, holen sie einen Stadtplan hervor und zeigen mir meinen Standort. Ich bedanke mich für die unerwartete Hilfe und drehe noch eine Runde um das Schloss, mache noch einige Fotos und verlasse dann die Parkplatzstadt.
Etwas weiter außerhalb treffe ich zwei Radler mit blauen Poloshirts und dem Wappen von Eutin auf der Brust. Ich halte sie an und frage sie nach dem weiteren Weg zu meinem nächsten Ziel. Bereitwillig geben sie mir Auskunft und wir kommen ein wenig ins Gespräch. Sie wollen wissen woher ich komme und wohin meine Reise geht. Sie erzählt mir dass sie auch schon mit dem Rad auf Reisen war. Sie bevorzugt allerdings Hotels für die Übernachtungen. So wie sie es erzählt klingt es ein wenig nach Entschuldigung dass sie nicht im Zelt übernachtet. Die Beiden wünschen mir noch eine gute Reise und ich folge den von ihnen beschriebenen Weg am See entlang. Ein Ausflugsschiff zerteilt die fast glatte Wasseroberfläche, Fußgänger grüßen mich freundlich und um mich herum eine Landschaft wie aus den Bilderbuch. Hin und wieder blinzelt die Sonne durch die Wolken, es ist ein herrlicher Tag.
Ich verlasse den See und fahre nun quer über das Land mit dem Ziel Ostseeküste. Über schmale Straßen und durch dichte Alleen führt mich meine Weg durch kleine Dörfer wie Gamal, Vinzier, Gömnitz nach Roge. Von Roge nach Neustadt hinunter, vernichte ich meine mühsam gesammelten Höhenmeter. Nicht dass es hier so richtig hoch hinausginge. Nein, auf 10 Meter aufwärts kommen 5 Meter abwärts. In dem ständigen auf und ab der Landschaft kommen auch so einige Höhenmeter zusammen, bis ich den höchsten Berg des Tages erklommen habe. Den Gömnitzer Berg mit 94 Metern.

Das große Meer ist erreicht

Voller Vorfreude auf das Meer erreiche ich Neustadt. Hier werde ich von viel Verkehr und schlechten Radwegen empfangen. Ist mir egal, ich will jetzt das Meer sehen. Und dann liegt es endlich vor mir, das Meer. Der erste Blick in den Hafen ist ja ganz nett reißt mich aber nicht von den Socken. Vielleicht wird es Richtung dem offenen Meer besser. Ich folge den Schildern des

Hochhaus grüne Balkons
Die 70er lassen grüßen

Ostseeküstenradweges vorbei am Hafen in Richtung Strandbad. Entweder habe ich ein Schild übersehen oder es war nicht da, jedenfalls wird der Weg immer schmäler und schlechter und die Fußgänger immer häufiger. Mit dem offenen Meer erreiche ich die Bettenburgen der Touristen. Mein einziger Gedanke ist nichts wie weg von hier. Noch schnell ein Bild von einem der 70er Jahre Bauten, die mich mit ihren hässlich grünen Balkons angrinsen und dann Flucht.
Eine ganze Ecke weiter legt sich der Wahnsinn langsam wieder und ich erreiche zehn nach Sechs einen kleinen, etwas abseits liegenden Campingplatz hinter Grömitz. Meine Suche nach dem Platzwart ist vergeblich. „Der Platzwart ist schon zu Hause“, klärt mich eine ältere Dame auf. „Jetzt ist hier nichts mehr los. Nur noch die Dauercamper sind zum Einpacken da. Ab nächster Woche ist der Platz dann ganz leer.“ Sie weist mir meinen Platz zu und gibt ihren Schlüssel für die Duschen. „Das geht schon in Ordnung. Wenn sie den Platzwart morgen treffen können sie ja alles Weitere regeln“.
Nach dem Duschen esse ich noch etwas und gehe noch eine kleine Runde im Dunkel am Strand spazieren. Zwischen den Wolkenlücken funkeln ein paar Sterne hindurch und das Meer liegt wie ein Spiegel vor mir. Zu dieser Jahreszeit bin ich umgeben von Ruhe an diesem Strand. Was hier wohl im Sommer los ist?

Hier geht‘s weiter: Von Grömitz bis Behrensdorf

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