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Zwei Tage im Harz / 2. Tag Von Schierke nach Wernigerode

Die Gruppe Jugendlicher, die gestern noch lautstark gefeiert hat – pünktlich um halb 10 war Ruhe – sitzt heute mit als erste beim Frühstück. Alles geht bei ihnen super gesittet zu. Keiner ist laut, sie sind respektvoll zueinander, kein Handy beim Essen, der Tisch wird nach dem Essen ohne Aufforderung gereinigt. Wenn ich da so an unsere Zeit in der Jugendherberge nachdenke? Besser nicht!

Nach dem Frühstück sind die sieben Sachen schnell gepackt. Jetzt noch auschecken und dann kann der neue Wandertag beginnen. Und wie der Tag beginnt. Ich trete vor die Tür, die Luft ist angenehm frisch und Sonnenstrahlen verwöhnen mein Gesicht. Was für ein wundervoller Tag. Bevor der Wandertag aber so richtig beginnt, muss noch etwas Proviant eingekauft werden.

Für einen so kleinen Ort wie Schierke ist, gibt es hier einen modernen und gut sortierten Minisupermarkt. So sind die wichtigen Sachen, wie Brötchen, Käse und Schokolade, schnell eingekauft. Endlich kann es losgehen. Auf nach Wernigerode.

Was habe ich, was haben wir selbst damit zu tun?

Gestern schon ist mir aufgefallen, dass sich der Harz seit meinem letzten Besuch wieder deutlich verändert hat. Der Bestand der Fichten hat sich nochmals deutlich reduziert. Die freien Flächen sind wieder um ein großes Stück angewachsen. An einem Zaun hängt ein Transparent mit der Überschrift:

„Wir trauern um unseren Wald“ Darunter: „Ein Lebensraum voller Biodiversität, CO2 Bindung der Bäume und Holzprodukte etc.“

All die Punkte auf dem Transparent kann ich vollkommen nachvollziehen. Nur regt sich in mir die Frage: „Was habe ich, was haben wir selbst damit zu tun? Inwieweit ist unser/mein Lebensstil mitverantwortlich?”

Freier Blick bis auf den Brocken

Der Zustand des Waldes und meine Fragen beschäftigen mich noch einige Zeit, während mich die Beine Schritt für Schritt durch die waldfreien Flächen den Berg hinauftragen. Mit jedem Schritt bergan durch die gerodeten Areale steigt meine Laune. Und das nicht nur, weil die Sonne die Morgenluft so schön erwärmt. Sondern viel mehr deswegen, weil mir das frische Grün zwischen den abgestorbenen Resten auffällt. Überall schaut er schon hervor, der neue Wald. Zwischen dornigem Gestrüpp wachsen junge Birken, Tannen und andere neue Pflanzen. In ein paar Jahren werden die ersten Bäume Schatten spenden. Der Wald wird wieder werden und wir brauchen nichts zu tun als zu warten. Nur anders wird er sein. Wenn wir nicht zu viel eingreifen, wird er bunt, vielfältig und widerstandsfähig.

Fokusiert arbeiten in der Natur

Auf einer Lichtung versuche ich ein paar Blüten im taunassem Gras zu Fotografieren. Mit meiner neuen Kamera lässt sich der Fokus fast perfekt auf den kleinsten Punkt ausrichten. Mit der Betonung auf „fast“ und „kleinsten“. Wenn ich zufrieden bin, hat der Fokus garantiert einen hauchdünnen Grashalm vor dem Objekt meiner fotografischen Begierde ausgemacht und fokussiert darauf. In der Vergrößerung zuhause ist es deutlich zu sehen, die Schärfe liegt immer perfekt daneben.

Lichtung am Wegesrand

Besser machen es da die Arbeiter, die ich ein wenig später treffe. Einer hält den Balken in seiner Position, der andere schlägt perfekt fokussiert den Nagel ein. So bauen sie gemeinsam eine Absperrung über einen neu eingelaufenen Pfad. Die Absperrung bauen sie, weil auf den neuen, nicht offiziellen Pfaden, die Vegetation zerstört wird und durch das Regenwasser die Erosion tiefe Furchen in den Wald gräbt. Im weiteren Gespräch erfahre ich noch ein bisschen mehr über ihre Arbeit und dem Spannungsfeld zwischen Tourismus und Naturschutz. Da ist es auch schon wieder: „Was habe ich damit zu tun?“

Alleine auf den Leistenklippen

Etwas später habe ich den höchsten Punkt des heutigen Tages erreicht. Ein kleiner Abstecher zu den Leistenklippen, beschert mir einen unbeschreiblich schönen Ausblick weit über das Land. Ich bin ganz alleine hier oben und fühle mich schon fast ein bisschen überfordert von meinem Glück. Auch die großen Lücken im Wald, stimmen mich wieder eher zuversichtlich. Hier wird etwas Neues entstehen. Und ich freue mich darauf, dieses Neue noch ein Stück weit erleben zu dürfen.

Auf den Leistenklippen

Endlich treffe ich auch ein paar andere Wanderer. Eine Familie mit ihren Kids untersucht das Unterholz auf Insekten. Während Sohn ganz gespannt auf der Jagd ist, erfreut sich die Schwester an einem Ast in seinem Jagdgebiet. Dass sie damit die Insekten verschreckt, die ihr Bruder gerne fangen möchte, führt nicht gerade zu Freudensprüngen bei ihm. Sein vehementer Protest, mit allerlei unfeinen Ausdrücken, wird dabei geflissentlich übergangen.

Harzer Bergbau- und Wassergeschichte

Über die Forstautobahn im Thumkuhlental, geht es zügig bergab. Kurz bevor die Zivilisation erreicht ist, wartet noch etwas Harzer Bergbau- und Wassergeschichte auf die Wanderer. Ein Nachbau einer vom Wasser angetriebenen Pumpe, die das Wasser aus einem Stollen pumpt. Irgendwie ist das schon paradox, dass das Wasser hier oben genutzt wird, um das Wasser tief unten zu beseitigen. 

Wasserpumpe für den Bergbau

Gleich am Ortseingang von Hasserode, könnte ich die Wanderung beenden und mich in den Bus nach Wernigerode setzen. Ich möchte die Straße durch den Ort aber noch mitnehmen. Möchte mit Zeit wahrnehmen können, wie hier gebaut wurde. Auf dem ersten Blick sind es auch nur Häuser, Zäune und Gehwege. Doch von Region zu Region ist es meist immer ein bisschen unterschiedlich. Und zu Fuß hat man Zeit diese Unterschiede wahrzunehmen.

Im Stadtzentrum von Wernigerode kaufe ich dann noch ein paar Postkarten und komme aber sowas von pünktlich am Bahnhof an, dass die Zeit gerade noch reicht noch um die Stöcke am Rucksack zu befestigen und die Kamera zu verpacken, dann rollt auch schon der Zug ein. Was waren das für zwei herrliche Wandertage im Harz.


  • Freier Blick bis auf den Brocken


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