Von der Elbe ins Havelland 2. Tag

Keine Ahnung wie oft ich mich in der Nacht von links nach rechts gedreht, wie oft ich den Schlafsack wieder richtig unter mich gequengelt habe. Ein Mitschläfer im Zelt hätte mich höchstwahrscheinlich vor die Stofftüre gesetzt. Es war kalt und mein Schlafsack hat zur Gewichtsersparnis eine dünnere Unterseite. Im Regelfall ist das auch okay, nur – es war sehr kalt und ich lag mutig in kurzen Klamotten im Sack und immer, wenn ein bisschen der dünnen Seite sich von der Isomatte abhob, zog die Kälte in den Schlafsack.

Nachts ist es kalt in Dömitz

Nach so einer Nacht ist jeder Sonnenstrahl willkommen. Meine Platzwahl hat sich diesbezüglich auch als goldrichtig erwiesen. Kaum hat die Sonne die Baumwipfel überschritten, erreichen ihre wärmenden Strahlen auch das Zelt. Nachdem die Nase sich wieder etwas aufgewärmt hat, lockt mich der Gedanke an einen frischen Kaffee aus dem Kuschelsack. So verlockend der Gedanke an eine heiße Tasse Kaffee auch ist, so enttäuschend ist der Blick in meine Taschen. Ich Sch… habe das Feuerzeug vergessen.

Auf der Suche nach einem Kaffee

Was bleibt mir also anderes übrig, als schnell die sieben Sachen zu packen und nach Dömitz hineinzufahren. Otto Normaldömitzer wird zum Frühstück mit Sicherheit auch Brötchen holen wollen und manch einer wird vielleicht auch direkt beim Bäcker frühstücken. Soweit die Theorie. In der Praxis ist der hübsche Ortskern nahezu ausgestorben. Hier gibt es nichts, außer einem großen verlassenen Kaufhaus,  ein paar hübschen Häusern und solche die es sein könnten, wenn sie denn nicht seit Jahren verlassen wären. Der erste Kaffee muss also warten.

Kaufhaus in Dömitz

So lenke ich mein Fahrrad wieder gen Osten. Am Ortsrand treffe ich auf die üblichen Discounter. Hierher kommt nur, wer ein Auto hat oder sich noch halbwegs bewegen kann. Die alte Frau mit ihrem Rollator kann es gerade noch. Schlurfend schiebt sie ihr Hilfsgerät, mit dem Einkauf vornedrauf, in Richtung Ortsmitte. Dorthin wo das Leben verschwunden ist. Hier bei den Discountern gäbe es jetzt zwar einen Kaffee, nur habe ich keine Lust auf eine solch ungastliche Atmosphäre. So fahre ich weiter und bin mir sicher, dass der ersehnte Kaffee nicht mehr weit sein kann.

Die Elbe auf dem Rad erleben macht Lust auf noch mehr Elbe

Die Räder rollen fast schon von alleine, auf dem guten Untergrund des Radfernwegs. Auch der Wind ist heute zurückhaltend und stellt sich mir nicht ganz so sehr in den Weg. Zusammen mit der weiten Landschaft und der Ruhe, ist das Radfahren einfach nur eine Wonne. Auf der linken Seite stehen ab und an ein paar Häuser. Zu meiner Rechten erstrecken sich die weiten Gras- und Auenflächen der Elbe. Immer wieder mal, lässt sich der Fluss zwischen den entfernten Bäumen sehen und manchmal traut er sich sogar ganz nah an die Menschen heran.

Weite Strände an der Elbe

Jedes Mal wenn ich die Buchten mit den tollen Stränden sehe, bekomme ich Lust mein Fahrrad gegen ein Paddelboot zu tauschen. Wie schön muss es sein, diese Landschaft vom Wasser aus erleben zu können. Oder im Sommer an den Stränden anzulanden und im kühlen Nass baden zu gehen.

Bis nach Wittenberge ändert sich nicht viel. Immer schön fahren, fahren, fahren, ein bisschen in die Landschaft gucken und ab und an andere Radfahrer grüßen. So langsam wird es Mittag und es ist immer noch kein Kaffee in Sicht. Das wird sich wohl in Wittenberge ändern.

Was ist nix los in Wittenberge?

Auch in Wittenberge gibt es ein hübsches Zentrum. Einige Häuser kurz vor dem Zerfall, auf den Straße oft übelstes Kopfsteinpflaster und keine Menschen.  Immerhin gibt es noch einen Discounter in der Stadt und das mit Bäckerei. Da sich nun auch mein Magen ganz massiv zu Wort meldet, verzichte ich auf eine nette Atmosphäre und mache hier Pause. Der Körper braucht ein paar Kalorien zum Weiterfahren.

Wittenberge

Kaum verlasse ich nach der Pause Wittenberge, finde ich im Dorf danach ein hübsches Café mit Tischen in der Sonne. Schade aber auch. Das wäre es gewesen. So bleibt für die nächste Zeit wieder viel Landschaft. Sehr naturnah wie sich bald herausstellt. Dort wo es viel Natur und wenig Spritzmittel gibt, dort gibt es auch noch Insekten und freundliche Radler lächeln sich zum Begrüßen zu. Das muss eines der Insekten missverstanden haben und stürzt sich direkt in meinen Mund, bis hinten gegen und ist mit einem leichten Kratzen auch schon verschluckt. Veganern vergeht hier das Lachen.

Tschüss Elbe, grüß dich Havel

Ohne, dass ich es richtig wahrnehme, verabschiedet sich meine Elbe von mir. Der Gnevsdorfer Vorfluter, ein künstlicher Arm der Havel, welcher der Hochwasserregulierung dient, sieht mit seinen geraden und befestigten Ufern ungewohnt künstlich aus, zur vorherigen naturbelassenen Elbaue. Noch drei vier Schlenker durch die Felder und Wiesen, dann habe ich Havelberg erreicht.

Staustufe am Gnevsdorfer Vorfluter

Der Campingplatz ist schon ordentlich gefüllt mit Wohnmobilen aus allen Regionen und die Zeltwiese ist wieder leer. Bis ich komme. Kaum steht mein 10.000 Sterne Hotel, kommt auch schon eine Gruppe weiterer Radler. Zwei deutsche Frauen sind mit einer Gruppe Inder unterwegs. Keine wirkliche gewöhnliche Reisegruppe auf Fahrrädern. Aber eine, die ausgesprochen viel Spaß an ihrer Tour zu haben scheint. In Deutsch, Englisch und Indisch wird fröhlich darüber debattiert wo wer sein Zelt aufbaut und wer für den Grill verantwortlich ist. Das scheint mir fast die wichtigste Frage in der Runde zu sein. Die Grillmeister sind dann auch schnell gefunden und während sie das Essen vorbereiten, baut der Rest die Zelte auf.




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