Tourenplanung und Navigation

Das Wichtigste vorneweg. Ich gehöre nicht zu den Nerds elektronischer Navigation. Ich gebe nur meine Erfahrungen wieder, die ich sowohl beruflich als auch im privaten Kontext mit Tourenplanung und Navigation bisher gemacht habe. Und was sich für mich als das Beste herausgestellt hat.

Planung und Navigation mit Karte

Waren das noch schöne Zeiten, wo die Papierkarte auf dem Tisch lag und der Finger den Linien gefolgt ist. Um selbstgeplanten Routen gut folgen zu können, habe ich sie mit einem Stift auf der Karte markiert. Das Planen auf der Karte hat dabei schon für ein gewisses räumliches Gefühl gesorgt. Auf der Tour musste dann die Karte bei jedem zweiten Abzweig wieder aus der Tasche gepuhlt werden, um die Richtung zu kontrollieren, wenn ich nicht auf ausgewiesenen Touren unterwegs war.

Egal ob oben auf der Lenkertasche am Fahrrad oder in der Beintasche in der Hose, der aktuelle Abschnitt musste regelmäßig zurechtgefaltet werden. Wenn genug eingezeichnet und gefaltet wurde, dann hielten die Karten oft nur noch das Klebeband über den aufgerissenen Falten zusammen. Und die exakte Bestimmung des Standortes, war nach einer Stunde durch dichten Wald laufen, auch eher Glücksache. Kurz zusammengefasst sind für Karten schön für nostalgische Gefühle. In der Praxis habe ich sie öfter verflucht als geliebt.

Ja, ich weiß. Auch die Elektronik hat ihre Schwächen. Zum Beispiel wenn der Empfang in der Mecklenburgischen Pampa nicht vorhanden ist, oder der Akku zur Neige geht. Aber wie es auch mit Karten ist, man kann mit Powerbank und anderen Dingen einfach vorsorgen. Die Pannen mit elektronischer Navigation kamen bei mir bisher deutlich seltener vor und waren dann auch weniger problematisch. Ich möchte mein Navi nicht mehr missen.

Planung und Navigation Online

Zum Planen meiner Touren und zum Navigieren, verwende ich wie die meisten Komoot. Man kann Komoot kostenlos nutzen, oder die Karten zur Offline-Navigation für einzelne Region oder als Weltpaket kaufen. Das Weltpaket sollte es einem schon wert sein. Zum einen bietet es den Vorteil auch offline auf entsprechend gespeicherte Touren zugreifen zu können. Zu anderen stehen hinter dem Produkt auch Menschen, die gerne von ihrem Job leben möchten. Wir gehen auch nicht zum Bäcker und erwarten, dass das Brot kostenlos ist.

Zur Planung

Eine Tour lässt sich sowohl am PC als auch mit dem Smartphone planen. Am einfachsten funktioniert es zuhause am PC. Aufgrund des größeren Bildschirms lassen sich einzelne Punkte viel besser setzen, wenn der Kartenausschnitt ordentlich vergrößert ist. Auch ist es einfacher mit der Maus zielgerichtet einen Punkt zu setzen, als mit dem Finger auf dem Touchscreen. So setzt man Punkt für Punkt seine eigene Tour zusammen. Manchmal sind die Programme recht kreativ in der Interpretation der eigenen Wünsche, aber mit etwas Übung kommt man den Tücken schnell auf die Schliche und die Planung flutscht wie von selbst.

Natürlich lässt sich ein vorhandener GPX-Track auch einfach hochladen. Meine Tracks für den E1, hole ich mir zum Beispiel von https://e1.hiking-europe.eu/, lade sie runter und importiere sie in Komoot. Dort lassen sich dann auch noch an die persönlichen Bedürfnisse anpassen.

Man kann Komoot die Planung der Tour auch vollständig überlassen. Du gibst den Anfangs- und Endpunkt der Tour ein und Komoot spuckt eine Route aus. Nicht selten ist das Ergebnis eher unbefriedigend. Da kommt es schon öfter mal vor, dass die ausgewählte Strecke längere Zeit einer Bundesstraße folgt. Das liegt weniger daran, dass Routenplaner zum Wandern oder Radfahren zu doof für eine ordentliche Planung sind. Vielmehr ist es fast nicht möglich, aus der Vielfallt von Möglichkeiten und Bedürfnissen die richtige Strecke auszusuchen.

Planen am PC mit dem BRouter

Ein Beispiel hierfür. Du möchtest eine Radtour von A-Hausen nach B-Hausen machen. Es gibt zwei Möglichkeiten für die Route. Möglichkeit eins führt entlang der Bundesstraße mit Radweg, mit 50 Höhenmetern Steigung und 15 Kilometer lang. Möglichkeit zwei, auf einer sehr wenig befahren Nebenstraße ohne Radweg, mit 150 Höhenmeter Steigung und 17 Kilometer lang.

Viele Radfahrer möchten auf einem Radweg entlang der Straße fahren. Sie möchten wenige Höhenmeter überwinden, aber es macht ihnen nichts, für eine schöne Strecke auch mal einen Kilometer weiter zu fahren. Es gibt Bundesstraßen mit wenig Verkehr. Dann nervt es auch nicht dort zu fahren. Es gibt Landstraßen die als Zubringer zur Autobahn dienen. Da rollen dann auch öfter LKW durch. Nach welchen Kriterien soll nun das Planungstool die Route auswählen?

Wer vor unangenehmen Überraschungen weitestgehend sicher sein möchte, muss auch Verantwortung für die Planung übernehmen. Dazu gehört ein gewisses Grundwissen zum Kartenlesen. Für meine Touren lege ich anfangs den Start- und Endpunkt fest und dann schaue ich mir den vorgeschlagenen Track Stück für Stück an und verlege ihn sofern mir der Streckenabschnitt nicht gefällt.

Zur Navigation

Um sicher zu gehen, dass die Navigation auch ohne Internetzugang funktioniert, lade ich die Tour zur Offline-Navigation auf mein Smartphone. Das geht natürlich nur, wenn ich vorher in irgendeiner Form für die Funktion bezahlt habe. Dann wähle ich die Tour aus, klicke Navigation an und schon kann es losgehen. Mit der Sprachausgabe kann das Smartphone in der Tasche bleiben. Bis auf wenige Ausnahmen wird man dann sehr zuverlässig, von einer freundlichen Stimme aus der Hosentasche, vor dem nächsten Abzweig informiert, wie es weitergeht.

Auf markierten Routen verzichte ich gerne auf die Ansage. Auf der Suche nach den Wegzeichen bleibe ich aufmerksam und befasse mich mehr mit dem Weg und der Umgebung – mit dem Hier und Jetzt -, als mit den Gedanken die sich so gerne zwischen die Ohren schleichen, wenn das Hirn nichts zu tun hat.

Geräte zur Navigation

Zum Wandern reicht mir mein Smartphone in der Hosentasche. Ich brauche kein zusätzliches Gerät tragen und auch nicht laden. Die Navigation kostet verhältnismäßig wenig Strom, wenn der Bildschirm ausgeschaltet bleibt. Es spart Gewicht und Platz.

Am Fahrrad sieht es ein bisschen anders aus. Fahrtwind und auch mal Verkehrslärm lassen die Ansagen schon mal ungehört bleiben. Mal spontan nachschauen, ob halb rechts, dass halb rechts oder das andere halb rechts ist, kann schnell zum Balanceakt werden, weil man die Hände auch zum Lenken braucht. Also macht es Sinn, die Navigation gut sichtbar fest montiert vor sich zu haben.

Auch hier hat sich das Smartphone für mich als ideal herausgestellt. Ich habe es immer dabei. Wenn über Komoot navigiert wird, lässt es sich so einstellen, dass nur bei Abzweigen der Bildschirm eingeschaltet wird. Das spart Strom. Wenn es nicht regnet, kann das Smartphone über den Dynamo während der Fahrt geladen werden.

Natürlich gibt es auch ein paar Nachteile. So lässt sich das Display bei Sonnenschein manchmal nur schwer ablesen. Bei Regen braucht es einen zusätzlichen Schutz. Es verbraucht etwas mehr Strom als ein externes Gerät. Ganz ohne Tasten fällt die Bedienung mit Handschuhen recht schwer, bzw. ist nicht möglich. Das letztere gilt aber auch für Navis mit Touchbedienung.

Für das Smartphone habe ich mir einen Lenkerkalter zugelegt. Die Schale mit dem Einrastmechanismus dient im Alltag als Schutzhülle, für die nicht wenigen Einschläge die so ein Gerät bei mir erleiden muss. Für Regentage gibt es noch einen Überzieher für das Display. Einziger Haken, der USB-Port wird dadurch verdeckt. Damit kann das Smartphone nicht geladen werden. Das ist nicht weiter problematisch. In der Regel regnet es selten den ganzen Tag durch und wenn doch, dann kann man während der Pausen mit der Powerbank nachladen.

Es gab auch Versuche mit speziellen Navis

Das Garmin Edge Explore hat mich wegen seiner wenig intuitiven Menüführung nicht wirklich überzeugt. Der USB-Port zum Laden lässt sich nicht nutzen, wenn das Gerät im Halter steckt. Es kann also nicht während der Fahrt über den Dynamo geladen werden. Bei längeren Pausen hat sich das Gerät gerne schlafen gelegt und ist dann nicht wieder von alleine aufgewacht, wenn ich wieder losgefahren bin. Das hat auch schon mal zum Verlust des Tracks geführt. Und, das ist auch nicht zu unterschätzen, es ist kein Austausch des Akkus vorgesehen. Das Gerät ist ein Wegwerfartikel.

Mit dem SIGMA ROX 4.0 hatte ich mir eine einfache Menüführung und minimale Navigationshinweise erhofft. Dass zierliche Gerät hat keine eigene Karte und spricht daher direkt mit Komoot über das Smartphone. Soweit so simpel. Zu Glück hatte das Gerät so große technische Schwierigkeiten, mit der Verbindung zum Smartphone, dass ich es wieder zurückgeben konnte. So konnte es zum Bespiel die Verbindung oft nicht wiederherstellen, wenn man sich mal ins Gebüsch verziehen musste und das Smartphone die Verbindung via Bluetooth nicht halten konnte.

Im Praxisbetrieb kommen dann noch weitere störende Faktoren hinzu. Auf Dauer ist die Anzeige, nur ein Pfeil in welche Richtung es geht, doch sehr spartanisch. Der SIGMA ROX 4.0 wird ohne Sensoren ausgeliefert. Die kosten extra. Ohne Sensoren wird die Geschwindigkeit über GPS ermittelt. Das führt dazu, dass die Geschwindigkeitsanzeige dauernd schwankt. Da kommt es schon mal vor, dass die Anzeige nervös von 20 auf 25 km/h und gleich wieder zurückhüpft.

Einen TEASI hatte ich von einem Bekannten zum Testen bekommen. Dieses Navi hat mich zum einfachen Routing dank seiner einfachen Menüführung und des stabilen Laufs schnell überzeugt. Scheinbar war es aber für viele andere nicht überzeugend genug. Teasi gibt es nicht mehr.

Alle Geräte haben für mich einen gemeinsamen Nachteil. Ich muss ein zusätzliches Gerät mitnehmen und dann auch immer für ausreichend Ladung sorgen.

Was habe ich sonst noch ausprobiert, bzw. nutze ich zusätzlich

BRouter – Zur Planung am PC nutze ich gerne noch den BRouter. Hier finde ich z.B. auch den Routenverlauf von E1 und E6, welcher bei Komoot, warum auch immer, fehlt.

Locus – Dann gibt es noch die Locus APP. Die Locus-App habe ich unter anderem als Backup installiert. Weiterer Vorteil dieser App ist, dass man damit auf lokal installierte Karten zugreifen kann. Somit bin ich auch ohne Internert immer in der Lage, meinen Standort zu bestimmen und den weiteren Weg nachzuschauen. Ansonsten bietet Locus noch eine Fülle von Funktionen, die ich selbst nicht brauche.

Shelter-App – In Dänemark gibt es flächendeckend Übernachtungsplätze für Wandernde und Radreisende. Teilweise mit Sheltern und einfachen Toiletten ausgestattet.

Camp Wild – Ist eine App bzw. Website mit Schutzhütten, Lagerplätzen, etc. in Deutschland.

Camp Wild

Outdooractive – Ähnlich wie Komoot. Auch hier kann man von kostenlos bis Premium verschiedene Leistungen in Anspruch nehmen. Outdooractive besticht im Premiumabo zum Beispiel mit den amtlichen Topo-Karten, offiziellen Alpenvereinskarten, ADFC-Karten, etc.

Naviki – Ähnlich wie Komoot oder Outdooractive. Ist aber auf Radfahren spezialisiert. Auch hier gibt es von kostenlos bis Premium verschiedene Kostenmodelle.

Google Maps – Das dürfte wohl jeder kennen. Wandern und Radfahren sind nicht die Stärken von Google Maps. Aber auf der letzten Meile noch ein Zimmer oder Campingplatz finden und sich gleich dorthin navigieren lassen, ist es fast unschlagbar.

Hiking Europe Website mit Tracks und Infos zum Europawanderweg Nr. 1 (E1)

Bahn.de – Naja, ist halt das Portal oder die App der Bahn. Mittlerweile lässt sich damit fast jede Verbindung mit Bus und Bahn buchen.

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