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Tochter und Vater auf dem MainRadweg, von Lichtenfels nach Creußen / 61,71 km

Wir mogeln ein bisschen auf der letzten Etappe

61,71 km, 16,4 Km/h Schnitt, 3:44 Std. Fahrtzeit

Campingplatz Lichtenfels
Campingplatz Lichtenfels

Jarla schläft noch tief und fest, da kitzeln mich die ersten Sonnenstrahlen aus dem Schlafsack. Ich gebe zu, dass mich das viele Gepäck, das zum Zelten benötigt wird oft stört. Auch würde ich gerne in einem ordentlichen Bett schlafen, an einem richtigen Tisch sitzen. Doch wenn ich an einem Morgen wie diesen, die ersten Vögel singen höre, die frische Luft rieche, die schön kühl über die Haut streicht und in die Nase strömt. Wenn Morgendunst und Sonne gemeinsam die Landschaft hinter einem feinen Schleier sanfter Pastelltöne vorsichtig ans Tageslicht bringen, dann weiß ich wieder was am Zelten so besonders ist.

Mit der ersten Tasse Kaffee und dem Fotoapparat in der Hand, mache ich einen Spaziergang am Main entlang. Noch ist es ruhig hier auf dem Campingplatz. Ab und an huscht ein anderer Frühaufsteher zum Sanitärgebäude.

Nun ist auch Jarla aus dem Schlaf erwacht. Während sie verschlafen zum Waschraum schlurft, stelle ich mich zu den Campern, die auf den Bäcker warten. Pünktlich um acht Uhr fährt der Wagen der Biobäckerei Schedel auf den Platz. Ich weiß nicht ob der Chef selbst hinter dem Tresen steht, auf jeden Fall hat der Mann sichtlich Spaß an seiner Arbeit. Ich kaufe ein Paar der leckeren Brötchen für das Frühstück und zwei Mohnschnecken als Proviant für unterwegs.

Auf geht´s zur letzten Etappe

Bäcker Schedel
Bäcker Schedel

Zum Frühstück können wir es uns auf der Terrasse vor dem Gemeinschaftsraum gemütlich machen. Dort stehen ein paar Tische und Stühle bereit. Nach dem Essen steht die letzte und auch schwierigste Etappe unserer Reise an. Auf den letzten Kilometern, hoch zur Quelle des roten Mains, sind einige Höhenmeter zu überwinden. Was für mich alleine kein Problem darstellen sollte, wäre für Jarla schon eine richtige Herausforderung. Erst recht bei den vorhergesagten Temperaturen. Da es in erster Linie meiner Tochter Spaß machen soll, habe ich mit ihr vor dem zu Bett gehen, eine kleine List ausgeheckt. Von Lichtenfels nach Creußen, fahren wir mit dem Zug. Dann haben wir fast nur Gefälle vor uns und das Gepäck bleibt auf dem Campingplatz.

Vor dem Einsteigen in den Zug, machen die Götter der Bahn, den Kauf von Fahrscheinen zur Bedingung. Zu diesem Zweck, stellen sie eckige Blechkästen auf die Bahnhöfe, mit denen wir uns per Eingabefläche verständigen sollen. Einer von uns beiden leidet allerdings an Verständigungsproblemen. Entweder der Blechkasten versteht nicht, dass wir mit unseren Rädern reisen wollen, oder ich verstehe den Kasten nicht. Das Personenticket habe ich, das Ticket für die Räder finde ich nicht. Zum Glück haben wir ordentlich Zeit eingeplant. So können wir am Schalter das fehlende Tickte nachkaufen. Bahnfahren könnte so schön sein, mit einem einheitlichen und einfachen Tarifsystem.

Ab jetzt wird gemogelt 😉

Die Züge fahren pünktlich und so erreichen wir nach etwas mehr als einer Stunde, den Bahnhof in Creußen. Bis zur Mainquelle und damit dem offiziellen Beginn des Mainradwegs, hat die fränkische Schweiz uns noch ein paar Wellen in die Landschaft gelegt. Zwischen Wiesen und Feldern geht es immer ein bisserl rauf und ein bisserl runter. Die Landschaft lässt Platz für weite Blicke über die sanften Hügel. Die Sonne steht schon hoch am Himmel und verwöhnt uns wieder mit ganz viel Wärme. Sehr viel. So viel das wir froh sind, den Wald zu erreichen. Damit die Freude nicht zu groß wird, verschwindet flux die Luft aus meinem Vorderreifen. Ein Kilometer vor der Quelle ist also wieder mal Flicken angesagt.

Rotmainquelle
Rotmainquelle

Auf den letzten hundert Metern zur Quelle, freut sich Jarla über den wurzeligen Weg. Ohne den Ballast der Packtaschen, träumt sie von einer zünftigen Mountainbike-Tour und vermeidet es dabei tunlichst, den Wurzeln auf dem Weg auszuweichen. Dann ist es vollbracht. Wir haben die Quelle erreicht. Jarla schaut ein wenig skeptisch auf das Rinnsal, was hier aus den Steinen fließt. Hier soll der Main anfangen? Das ist alles? Es ist ihre erste Quelle vor der sie steht. Bisher hatte sie keine Vorstellung davon, wie Flüsse beginnen. So anscheinend, nach ihren Ansichten, nun auch wieder nicht. Macht nix. Wo Wasser ist, ist auch ein Spielplatz und für was ist sie der große Staumeister. Papa will da nicht zurückstehen und hilft beim Verstopfen des Abflussrohrs. Erklärtes Ziel ist es, den Main in seinem Ursprungsbecken, zum Überlaufen zu bringen. Klar, dass wir nach der erfolgreichen Überflutung, alles wieder in den Ursprungszustand versetzten.

Volle Kanne Downhill. Zumindest ein bisschen

Ein holländisches Paar kommt dazu. Er möchte gerne wissen, wie es weitergeht. Das können wir ihm natürlich nicht sagen, sind wir doch auch ganz neu hier. Gerne würden sich die beiden noch vor der Mainquelle fotografieren lassen, doch einer von beiden hat vergessen den Akku der Kamera aufzuladen. Das wird jetzt ausdiskutiert. Wir schwingen uns derweil auf die Räder, um die letzten Kilometer des Mainradwegs zu erkunden. Ich nehme den breiten Weg, Jarla die Wurzelstrecke. Kaum sind wir etwas entfernt von der Quelle. Neigt sich der Forstweg abwärts. Bei allem Spaß am Mountainbiken, wird es Jarla auf dem geschotterten Weg dann doch ein wenig zu schnell. Mit ein paar Tricks zur Fahrtechnik von mir, fährt sie schon etwas entspannter und mit jedem Meter bergab wächst der Spaß wieder und sie lässt  auch ein bisschen mehr die Bremsen los.

Bayreuth
Bayreuth

Bis wir Bayreuth erreichen, hat die fränkische Schweiz uns noch ein paar Hügel in den Weg gelegt. Der Fernblick will immer ordentlich erarbeitet sein und wird mit flotten Abfahrten auf besten Asphalt belohnt. So flott, dass Jarla unten angekommen, mir stolz ihre höchste bisher erreichte Geschwindigkeit auf dem Tacho zeigen muss. Ganze 58 km/h sind dort zu lesen. Im Wald nach der Mainquelle war sie noch stolz darauf, 48 km/h geschafft zu haben.

Bayreuths Innenstadt empfängt uns mit fast südländischem Flair. Die Menschen machen einen sehr entspannten Eindruck, schlendern sommerlich schick gekleidet durch die Fußgängerzone oder treffen sich auf einen Espresso unter den Sonnenschirmen der Cafés. Auch wir suchen uns einen der Schirme aus und essen unser wohlverdientes Eis. Der kleine Bach vor dem Eiscafé´ hat eine starke magnetische Wirkung auf Jarla. Kaum ist das Eis in ihr verschwunden, stehen ihre Füße im kühlen Nass. Ich sitze derweil bei meinem Espresso, beobachte die Menschen und bedauere es ein wenig, nicht mehr Zeit für diese Stadt zu haben. Gerne würde ich mich auch schick sommerlich anziehen und durch die Ermitage oder Sanspareil schlendern und den Abend in einem der Biergärten ausklingen lassen.

Heiß, heißer, Flaschen leer

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Bisschen schwer das Rad

Noch in Bayreuth verfahren wir uns wieder mal. Den Mainradweg aus der Innenstadt heraus zu finden, ist leider nicht ganz so einfach. Und wieder einmal erweist es sich als Fehler, das ich mir nicht die Karten der Region auf mein Smartphone heruntergelangten habe. Die App zum Mainradweg zeigt zwar zuverlässig den Weg an. Je nach der Qualität der Datenverbindung, dauert es aber manchmal sehr lange, bis die Onlinekarte dazu geladen ist.

Auf den nächsten Kilometern bleibt unser Freund der Main, leider meist unsichtbar. Nur hin und wieder lässt sich der junge Fluss sehen, meist wenn wir in überqueren. Die Temperaturen sind indes wieder auf ein Niveau gestiegen, dass entweder Fahrtwind oder Schatten erfordert. Der letztere ist hier allerdings nicht allzu verbreitet. Die Trinkflaschen sind auch leer und langsam wird es Jarla zu anstrengend. Wir kommen aber auch an keinem dieser gut gekühlten Zivilisationstempel der Autofahrer, einer Tankstelle, vorbei. Ist ja eigentlich auch schön, auf Nebenstraßen ohne Verkehr unterwegs zu sein. Sofern die Flaschen gut gefüllt sind. Ausgetrocknet wie wir sind, mache ich Jarla in Melkendorf den Vorschlag, die letzten Kilometer des Mainradwegs zu unterschlagen. Wir könnten hier direkt nach Kulmbach fahren. Dort finden wir sicherlich wieder etwas zum Trinken und dann nehmen wir die Bahn zurück. Mir ist wichtig das Jarla den Urlaub als schöne Erinnerung mit nach Hause nimmt, daher soll sie entscheiden, was ihr wichtiger ist. Da braucht sie nicht lange nachzudenken. Ab nach Kulmbach und rein in die Bahn.

Ein letzte Nacht noch auf dem Campingplatz, dann müssen wir wieder nach Hause

Abends auf dem Campingplatz
Abends auf dem Campingplatz

Jarlas neue Freundin freut sich über unsere Rückkehr. Schnell sind sich die beiden einig und mit einem Sprung im Wasser verschwunden. Auch ich genieße den Nachmittag ohne Radfahren, im Schatten unter den Bäumen, mit der frischen Luft des Mains. Mit meiner neuen Rennradzeitschrift setzte ich mich auf einen Baumstumpf und lese von den Ereignissen der Tour de France. Das kann sich mein Nachbar so nicht mit ansehen. Zuerst bringt er mir einen seiner Campingstühle und dann noch eine Flasche gut gekühltes Bier aus seinem Kühlschrank. Das ist der wahre Luxus. Mit der untergehenden Sonne, sitze ich wieder vor dem Zelt meiner Nachbarn. Jarla und ein paar andere Mädchen, sitzen bei uns auf dem Rasen und spielen Karten, bis das letzte Licht so gut wie verschwunden ist.

Morgen müssen wir leider unsere Sachen packen und wieder nach Hause fahren. Für Jarla kann ich es nicht sagen, aber ich komme wieder, keine Frage.

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8. – Tag Von Sand am Main nach Lichtenfels


  • Campingplatz Lichtenfels

Unsere Radtour entlang des Mains, habe ich diesmal nicht aufgezeichnet. Tracks und Infos gibt es in Hülle und Fülle, da muss ich nicht auch noch die Datenwelt vollmüllen.

Die Route mit vielen Tipps, kann man unter anderem auf der offiziellen Seite des Mainradwegs anschauen und auch herunterladen. – 

www.mainradweg.com

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