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Müritz die 1. – Waren bis Ludorf

Bevor die Rad- und Zeltsaison für mich zu Ende geht, hat es mich nochmal an die Müritz hinaus gezogen. Hier war ich schon seit gut 25 Jahren nicht mehr gewesen. Kurz nach der Wende hat sich, irgendwo in den Wäldern um den See, mein Bulli fast in den ewigen Sandpisten festgefahren. Die Adler die hier leben sollten, waren nicht zu sehen und die Dörfer waren, naja …, noch sehr im DDR-Look ergraut. Was aber auf jeden Fall hängen geblieben ist, das waren viel Natur und ganz viel Wasser. Genau mein Ding. Also los.

Ob ich das alles wieder so vorgefunden habe? Eindeutig ja. Nur ein bisschen hübscher noch und mit weniger Sand unter den Rädern. Was ich leider auch gefunden habe. Oder auch nicht. Das waren Wegweiser für  Radfahrer. Sie waren nicht vorhanden oder dort wo sie keiner sieht und manchmal auch an der richtigen Stelle. Auch was hier zuweilen als Radweg interpretiert wird, entspricht, sagen wir mal so, etwas anderen Standards. Ist wurscht. Das nächste Mal fahre ich wieder nach dem Navi und der Rest hat einfach Spaß gemacht.

Ein halber Tag mit vollem Vergnügen

Dank der Anreise, ist der Tag schon etwas fortgeschritten und ich möchte noch ein bisschen Zeit für die Tour haben. So rolle ich nur kurz durch die schöne Altstadt von Waren durch und nehme Kurs auf den Nationalpark. Kurz hinter Waren verschwinde ich im Wald des Müritz Nationalparks und es wird wieder etwas kühler. Jackenzeit? Oder doch nicht? So recht kann ich mich nicht entscheiden ob es im Schatten noch warm genug oder schon zu kalt ist. Die Entscheidung fällt für warm genug. Die Jacke bleibt in der Tasche. Spätestens mit Verlassen des Waldes, erweist es sich als die richtige Entscheidung. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und lädt zur Weiterfahrt im T-Shirt ein.

Der Ort mit den zwanzig Häusern mitten im Grünen, nennt sich Federow. Im vorbei fahren frage ich mich, wie und von was die Menschen vor der Wende hier gelebt haben. Dabei fällt mir wieder mal auf, dass ich vom Leben in der DDR und von den Menschen so fast gar nicht weiß. Klar, ein Bild vom Staatssystem habe ich. Aber was ist mit den Menschen außerhalb von Stasi, Trabbi und Bananen? Wie haben sie gefeiert? Wie war für sie der Unterschied zwischen Ostsee und Zittauer Gebirge? Wie war es, hier morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen? So banale Dinge, die aber das Leben wiederspiegeln.

Gibt es überhaupt Adler?

Lange sind meine Gedanken nicht mit dem Leben in der DDR beschäftigt, da fällt mir ein Aussichtspunkt auf. Hier soll es Adler zu sehen geben. Wie aus einem alten Film, entstehen Bilder aus meinen ersten Reisen durch Mecklenburg Vorpommern im Kopf. Ich halte und schaue mir alles genauer an. Stimmt, hier war ich tatsächlich schon einmal. Kurz nach der Wende. Und schon damals konnte ich keine Adler beobachten. Genauso wie heute auch wieder. Das kann nur zwei Gründe haben. Entweder die Adler gibt es nicht oder sie so hinterhältig und fliegen immer weg, wenn sie mich sehen.

Wilde Wege im Nationalpark

Weiter geht es auf Radwegen, hübsch angelegt aber nicht wirklich Radwege, durch gefühlt endlosen Wald. Und es geht auch freudig weiter, auf Wegen die ich nicht fahren wollte, aber nun fahre, weil die Schilder einfach nicht dort stehen wo sie hingehören.

Wasser soweit das Auge reicht

Zwischen Vietzen und Vipperow überquere ich die Elde. Eine der vielen Gewässer in der Region, die über Seen, natürlichen Flüsschen und Kanälen, ein Netz von Wasserstraßen bilden, das die Herzen von Kanuten höher schlagen lässt. Vermutlich lässt das viele Wasser auch die Herzen von vielen Stechmücken höher schlagen. Nur, die sind zu meinem Glück, fast alle schon freundlich verstorben.

Bei Ludorf ist dann auch schon der Campingplatz erreicht. Der Platzwart ist ausgesprochen freundlich beim Check in. Erklärt mir alles Wissenswerte und weißt mich dann noch auf eine Besonderheit hin, die mir sofort einen irritierten Gesichtsausdruck verpasst. „Auf den Toiletten müssen sie ihr eigenes Toilettenpapier mitbringe“, sagt er, als wäre das das normalste der Welt. Ich halte die Klappe, weil auf der Zunge liegt der Spruch: „Ist hier immer noch DDR? Und es gibt diesen Monat keen Papier?“

Außer den papieresken Gepflogenheiten auf diesem Platz, gibt es aber sonst nichts zum Verwundern. Ich baue mein Zelt in bester Lage, mit Blick auf dem Müritz See, auf und nach dem Abendessen mache ich noch meinen abschließenden Spaziergang. Ein paar Rehe, auf einer weiten Wiese, machen den Sonnenuntergang besonders kitschig. Was mich nicht stört, ich steh darauf.

Auf dem Campingplatz zurück setze ich mich noch ein bisschen vor das Zelt. Von  Irgendwo aus der Ferne hört man die Kraniche rufen. Der See wird immer glatter und die Natur immer ruhiger. Und bevor ganz das Licht ausgeht, ziehen immer wieder Vogelschwärme, lautstark schnatternd, über den See, zu ihren Übernachtungsplätzen.



 

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