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Zu Fuß von Wernigerode über den Brocken nach Schierke – 21 km

Über steinige Wege auf den Brocken und wieder hinuter!

Nein, es erschließt sich mir hier nicht sofort, wo der nächste Bus abfährt. Die Fahrpläne am Bahnhof in Wernigerode sind vielfältig, die Informationen ebenso. Einzig fehlt mir die Übersicht. Am Schalter vom Bahnhof komme ich auch nicht weiter. Dort ist gerade heute geschlossen.

Holtemme

Irgendwann ist es dann doch noch mal geschafft, der Bahnhof von Wernigerode liegt hinter mir. Jetzt noch bis nach Hasserode fahren und dann dürfen endlich die Beine für mein Fortkommen sorgen. Vor mir liegt der Aufstiegt zum Brocken über die Steinerne Renne. Hasserode ist schnell verlassen. Am Bahnhof Steinerne Renne, lädt die Brockenbahn noch zwei Passagiere zu und verabschiedet sich dann laut tutend hoch zum Gipfel. Von jetzt an wird es ruhig.

Zwischen den Bäumen sucht sich die Holtemme ihren Weg zwischen den Steinen. Mit jedem Meter den ich weitergehe, wird das Tal enger, der Weg schmäler und die Steine in der Steinernen Renne größer. Irgendwann wird das Tal zur Schlucht, der Weg zum Stieg. Es wird Zeit für ein paar Bilder. Kaum steht die Kamera, schon kommt die erste Familie ins Bild. Die Kinder begutachten jeden Stein und jede Pflanze. Ich warte. Endlich ist die Familie weg, ich kann fotografieren. Nein, kann ich nicht. Ein Pärchen kommt um die Ecke und hält die eindrucksvolle Szenerie mit der Kamera fest. Ich war doch eben noch alleine unterwegs. Wo kommen denn jetzt die ganzen Menschen her?

Gasthaus mit wilder Aussicht

Gasthaus Steinerne Renne
Gasthaus Steinerne Renne

Am Gasthaus Steinerne Renne treffen wir uns dann alle wieder. Nicht um einzukehren, nur um die Aussicht durch das wilde Tal zu genießen. Nach diesem doch recht anspruchsvollen Teil, bringt uns nun wieder eine Forstautobahn voran. Schnell sind Familien und ein Pärchen überholt, dann laufe ich eine ganze Weile nur noch einem andern Paar hinterher. Immer im gleichen Abstand. Fast wie mit einem unsichtbaren Seil verbunden. Erst als meine Blase dieses Seil durchtrennt, verliere ich die beiden aus den Augen. Jetzt wird es immer ruhiger.

Stairway zur Hölle?

Bevor es langweilig wird auf dem ausgebauten Weg, zweigt der Höllenstieg ab. Die Hölle ist der Weg nun aber gar nicht. Er geht Dank der Steigung zwar in die Beine, doch ist dieser Pfad eher der Stairway to Heaven. Das Hochmoor mit den Fichten und Bergen im Hintergrund wirkt schon fast wie ein Hauch von Kanada. Selbst die abgestorbenen Baumriesen, fügen sich mit ihren ergrauten Stämmen, als Einheit in das Landschaftsbild ein.

Das Gasthaus an der Steinernen Renne, scheint ein Umkehrpunkt für die meisten Wanderer zu sein. Auf jeden Fall bin ich schon länger niemanden mehr begegnet. Umso mehr fallen mir die beiden Läufer auf, die im vollbunten Sportdress den Hang hinaufrennen. Noch viel mehr als die Farbe der Klamotten, sticht ihr Sächsisch aus der Landschaft raus, in dem sich die beiden in gehobener Lautstärke unterhalten.

Der letzte Kilometer zum Brockenradler

Brockenradler
Brockenradler

Die letzten Kilometer hoch zum Brocken, muss ich leider auf Asphalt zurücklegen. Immer wieder weisen Schilder den Wanderer darauf hin, die linke Straßenseite zu nutzen. Nicht bei jedem kommt die Nachricht so richtig an. Was hier noch kein Problem ist, bekommt auf dem letzten Kilometer vor dem Gipfel seine ganz eigene Qualität. Wenn die beliebtesten Wege zum Brocken auf den letzten Kilometer noch dazukommen, dann wird es an einem solchen Wochenende hier richtig voll auf der Straße. Dann wuseln Rennradfahrer, Wanderer, Hunde, E-Biker, Kinder, Mountainbiker und was sich sonst noch alles bewegt, bunt durcheinander dem Gipfel entgegen oder stürzen sich wieder hinunter.

Ich habe allerdings im Moment das Gefühl, dass an beiden Beinen riesige Gewichte hängen, die jeden Schritt zu einer Herausforderung machen. Doch wenn ich genau hinschaue, gehöre ich tatsächlich zu den Schnellen und muss öfter mal überholen, um keinen Auflaufunfall zu verursachen. Da fühlt sich das Brockenradler am Ziel, dann auch gleich noch verdienter an. Prost. Etwas Käse und ein Laugenbrötchen runden das fürstliche Mahl in der Sonne ab. Ja ich meine wirklich fürstlich. Für mich ist so eine einfache Mahlzeit im Freien nicht mit Sternen aufzuwiegen.

Das Springen ist des Wolfgangs Lust

Brockenblick
Brockenblick

Irgendwann ist dann auch mal mein fürstlicher Geschmack befriedigt und ich will weiter meinem Ziel Schierke entgegen. Über den Eckerlochstieg steige ich nun wieder ab. Es fühlt sich so unheimlich leicht an, wenn ich von Stein zu Stein nach untern springe. Da ich den Weg schon häufiger gelaufen bin, bleibt die Kamera im Rucksack und ich bin ganz bei mir und dem nächsten Schritt. So könnte das nun Stunden weiter gehen. Mit jedem Schritt durch das Gelände wünsche ich mir den Rucksack weg und ein paar leichte Schuhe an die Füße. So dass nur noch ich und die Bewegung in der Natur bleiben. Bei einer kurzen Verschnaufpause, merke ich dann aber doch, dass das Springen unheimlich anstrengend war. Die Beine sind zittern wie das berühmte Espenlaub. Nun aber langsam weiter, ich will ja noch bis zum Campingplatz.

Kurz vor Schierke treffe ich noch auf eine Gruppe Asiaten auf einer Lichtung. Einer davon scheint der Coach zu sein. Gestenreich erzählt er in einer mir nicht verständlichen Sprache und alle anderen nicken im anerkennend  zu.

Schönes Schierke, langes Gesicht am Schierker Stern

In Schierke ist die Zeit nicht stehengeblieben. Aber bis auf ein paar wenige neue Gebäude, das Ortsbild erhalten. Die Bäckerei hat zum Glück noch offen, so kann ich mich für den letzten Kilometer nochmal mit einem Kaffee stärken. Es ist schon spannend. Während die Parkplätze außen u den Ort gut gefüllt sind, ist es hier ruhig. Fast keiner der Schnelltouristen verirrt sich in den Ort. Das Auto auf den Parkplatz und rauf auf den Brocken. Das scheint das wichtigste Ziel zu sein.

Am Campingplatz Schierker Stern gibt es dann erst einmal ein langes Gesicht. Der Platz ist voll. Wie oft habe ich mich über die Menschen amüsiert, die an in der Saison an die Ostsee fahren und sich wundern, dass sie keine Bleibe mehr finden. Und jetzt steh ich selber da wie … Okay, aus Fehlern sollte man klug werden. Was für ein Glück gibt es hier einen Bus, der mich wieder zurück bringt.



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