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Von der Elbe ins Havelland 3. Tag

Den ganzen Tag Natur mit einem bisschen Havel

Was so zwei Grad mehr an Temperatur und ein paar Socken doch ausmacht. Die Nacht in meinem Schlafsack war diesmal kuschelig und schön warm. Die Sonne die schon früh am Morgen auf mein Zelt scheint tut ihr übriges um mich vom Aufstehen zu überzeugen. So darf der Tag gerne beginnen. Bis auf den Kaffee, den ich immer noch nicht am Zelt zubereiten kann. Gestern Abend war ich einfach zu spät um noch ein Feuerzeug zu kaufen und heute Morgen ist noch keiner wach, von dem ich mir eins leihen könnte. So sehe ich zu, dass meine Sachen möglichst flott wieder auf das Fahrrad gepackt sind.

Nachdem alles gepackt ist, schaut der erste Nachbar aus seinem Zelt heraus. So wie er aussieht, ist wohl eine Eisenbahn durch sein Zelt gerollt. Mit vollkommen verknautschtem Gesicht und zugekniffenen Augen, schaut er in die Sonne. Mein Abschiedsgruß braucht ein bisschen, bis er zum im durchgedrungen ist, aber dann lächelt er und winkt mir hinterher.

Ohne Umweg direkt zum Morgenkaffee

Heute halte ich mich nicht lange mit der Suche nach einem Bäcker in der Innenstadt auf. Die habe ich gestern Abend noch erkundet und das gleiche Bild vorgefunden, wie auch in den anderen Städten vorher. Eigentlich sehr schön, aber nichts los. So gibt Google die Richtung vor und lotst mich sicher zur nächsten Tankstelle. Nicht schön, aber es gibt dort ein paar Brötchen und meinen Morgenkaffee.

Frisch mit Kaffee versorgt, fährt es sich schon deutlich besser. Das Land ist flach und der Wind streichelt sanft über das frische Grün der weiten Wiesen. So viel naturnahe Landschaft habe ich schon sehr lange nicht mehr gesehen. Was ich aber eher selten sehe, ist die Havel, die sich hier eigentlich rumtreiben sollte. Das wird sich auch den Rest des Tages nicht ändern. Der Fluss hält sich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, immer vornehm zurück.

So schön können Radfernwege sein

Was auch noch für den Tag prägend ist, das sind die Radwege. Bis auf ganz wenige Ausnahmen immer etwas breiter als gewohnt und mit einer top Oberfläche. Anders als in dem Bundesland wo ich herkomme, kann ich ohne ständig auf die Fahrbahn zu schauen einfach nur die Landschaft genießen. Und die ist es auch absolut wert. Als absolute Krönung, gibt es dann auch noch zwischen Nix und Nirgendwo eine Fahrradstraße.

Fahrradstraße im Havelland

In den Ortschaften wende ich wieder die bewährte Taktik an. Immer schön mitten durch, wenn der Weg außen herum führt. Ich will ja auch etwas sehen von der Region. Klein und hübsch sieht es meist aus. Mit einem Schuss Vergangenheit, der verblichenen DDR. Ab und an gibt es auch mal einen der wenigen Menschen zu sehen. So auch in Warnau. Mama schiebt den Kinderwagen, mit einem vergnügt grunzenden Etwas darin, durch das Dorf. Begleitet von der Schwester des Etwas. Schon des Fragens mächtig, möchte sie von der Mama wissen, was ich dort mache. „Der Mann fotografiert den Baum“, antwortet sie. „Warum?“, kommt sogleich die unvermeidliche Frage. Na, weil er ihm gefällt?“ Wo sie Recht hat.

An der Havel übt die Truppe

Auch die Bundeswehr hat hier ihren Sandkasten. Kaum erreiche ich die Grenze zum Truppenübungsplatz Klietz, ist dann auch Schluss mit guter Oberfläche. Für Panzer, Geländewagen und Co. ist das hier pillepalle, ich hätte aber gerne wieder die guten Radwege zurück. Immerhin kommt man hier aber auch mal direkt an die Havel heran. Das zieht auch ganz viele andere Menschen an diesen Ort.

Ein Gruppe Radler hat es sich oben auf den bewaldeten Sandhaufen gemütlich gemacht und kommentiert lautstark die mitgebrachten Wurst- und Käsebrötchen. Spaziergänger mit und ohne Hund, mit und ohne Kind und auch alleine bevölkern ebenso dieses Fleckchen. Soviel Menschen gibt es doch gar nicht in dieser Region! Wo kommen die bloß alle her? Hinter der Schranke des Geländes, kaum habe ich die Armada der parkenden Autos zurück gelassen, ist dann auch schon wieder Ruhe.

Rathenow, blitzblank aber wo sind denn schon wieder die Menschen

Erst bei Rathenow wird es langsam etwas trubeliger. Schon in 1848 wurde der Grundstein für die Mühle in Rathenow gelegt. Im Laufe der Zeit erwuchs daraus, mit seinen Speichergebäuden, ein recht imposanter Bau aus dem typischen Backstein der Region. Eine 348 Meter lange Brücke verbindet heute das Gelände der Mühle, mit dem Altstadtzentrum Rathenows. So etwas kann man sich leisten, wenn die Bundesgartenschau vorbeischaut.

Bis der Zug kommt, bleibt mir noch Zeit für ein Eis. Also mache ich mich auf in das eigentliche Zentrum der Stadt. Hier schaut es deutlich moderner aus, mit seinen geradlinigen Gebäuden und den Schaufenstern. Was auch auffällt, es ist alles recht frisch und sehr sauber. Was leider aber auch wieder auffällt, es ist wieder mal nichts los in der Stadt. Eine einzige Eisdiele auf dem zentralen Platz und erst nachdem ich mich dort an einen Tisch setze, kommen noch zwei andere Pärchen. Noch stehen keine Sonnenschirme draußen und so werde ich langsam aber sicher von der Sonne gegrillt. Was soll‘s. Es sind die ersten richtig warmen Tage und ich genieße es einfach.

Ein männlicher Pubertist, schlurft in Schlabberhosen lässig über den Platz und lässt die wenigen Menschen in der Nähe an seinem Musikgeschmack teilhaben. Vermutlich möchte er in seinem Look und mit der Musik, so einen richtig coolen Eindruck machen. Fragt sich nur auf wen? Die passenden Mädels sind gerade woanders und nicht nur am Nachbartisch reagiert man eher amüsiert auf den „Gangstar“. Die dunkle Brille verhindert allem Anschein nach auch seinen Durchblick, so schlurft er noch drei vier weiter Male über den Platz, ohne die rechte Aufmerksamkeit zu bekommen.

Nach dem Kaffee ziehe ich mit den Rad noch eine kleine Runde durch die Stadt, um mich so langsam in Richtung Bahnhof zu bewegen. Der Zug steht erfreulicher Weise schon auf am Bahnsteig. So kann ich gleich mein Rad verstauen und mir einen gemütlichen Platz suchen. Tschüss Havelland, ich komme bald mal wieder.

Von der Elbe ins Havelland 2. Tag

Von der Elbe ins Havelland 1. Tag



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