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Um den Schaalsee von Ratzeburg nach Zarrentin

Grenzerfahrungen zwischen Ratzeburg und Zarrentin

Der 03. Oktober bietet sich geradezu an, mal wieder ein paar Grenzerfahrungen zu machen. Zarrentin liegt kurz hinter der ehemaligen Grenze zur DRR und als Startpunkt ist Ratzeburg gut mit der Bahn zu erreichen. Dazwischen ist in der ehemaligen Grenzregion, viel Natur und Landschaft erhalten geblieben.

Allee zwischen Ratzeburg und Salem
Allee zwischen Ratzeburg und Salem

Ratzeburg habe ich schnell hinter mir gelassen und schon werde ich von der ersten Allee auf meiner Tour verschluckt. Wie mit einem Lineal gezogen, schwingt sich der Salemer Weg langsam nach oben, einst hat er Ratzeburg mit Salem als Straße verbunden. Heute müssen Autos außen herum fahren, Radfahrer und Fußgänger dürfen die alten Bäume für sich alleine genießen.

Hinter Salem, kurz vor dem Schaalseekanal  zieht eine Herde Paddelboote meinen Blick auf sich. Einen kurzen Moment werde ich ein bisschen neidisch auf die Paddler, die gerade wieder in ihr Boot einsteigen um ihre Tour vorzusetzen. Es erinnert mich an lange vergangene Zeiten, als ich selbst noch meine flüchtige Spur auf dem Wasser hinterlassen habe.

Die Gedanken verfliegen ganz schnell, als ich den Weg meiner geplanten Tour sehe. Eine schmale Sandpiste zweigt in den Wald ab. Da möchte ich nun doch nicht fahren und da hier auf der Straße fast kein Auto unterwegs ist, bleibe ich dort und freue mich darüber, wie gut ich hier vorankomme.

Bei einem Stopp an der Alten Schmiede in Seedorf, ändere ich meine geplante Route. Was auf der Karte geplant noch ganz gut erscheint, sieht in der Realität dann doch mal anders aus. So lockt mich das Schild Historischer Ortskern nach Seedorf hinein.

Am Ende der Welt
Hier waren Deutschalnd und Europa geteilt

Hinter Groß Zecher ist es dann soweit. Hier war Deutschland geteilt, war die Welt für beide Seiten zu Ende. Wie üblich erinnert eine große Gedenktafel an das Datum, an dem sich die Menschen wieder frei von Ost nach West bewegen durften. Noch schnell ein Foto mit dem Handy machen und verschicken, damit Opa und Oma auch etwas von meiner Tour haben, dann geht’s auch schon weiter bis Zarrentin. Warum, kann ich gar nicht so genau erklären, aber irgendwie mag ich diesen Ort. So hübsch herausgeputzt, sieht es aus wie in vergangenen Tagen ohne in der Zeit stehengeblieben zu wirken. Optisch passen die Kopfsteinpflasterstraßen auch wunderbar zu den Backsteinhäusern, nur zum Radfahren sind sie eine Tortur.

Im und am Café am Kloster sind alle Plätze unter den Dach besetzt. Bei dem wechselhaften Wetter traut sich keiner so richtig raus ins Freie. Bevor ich aber ohne Kuchen und Kaffee wieder das Weite suchen muss, traue ich mich einen Platz ohne Dach zu besetzen. Die Bedienung ist so freundlich und wischt noch die dicken Wassertropfen vom letzten Schauer vom Tisch und fragt, „ob ich das wirklich riskieren will“? „Ja sicher doch. Ich habe den ganzen Tag noch keinen Tropfen abbekommen“, antworte ich optimistisch. Bevor der Kuchen nass wird und der Kaffee dünn, den ich gerade bekommen habe, verziehe ich mich dann doch nach drinnen und belege einen Katzenplatz. Kaum habe ich Platz genommen, ist der Schauer auch schon wieder durch.

Tschüss Zarrentin, wir sehen uns wieder
Zarrentin am Schaalsee
Zarrentin am Schaalsee

Aus Zarrentin raus, suche ich mir noch ein Stück übelstes Kopfsteinpflaster aus, man leidet ja so gerne, dann geht es auf der Ostseite des Schaalsees zurück. Außer riesigen Feldern und wunderschönen Alleen ist hier nicht los. Leicht rollen die Räder über den Asphalt und so vergeht Kilometer um Kilometer wie im Flug. An Techin vorbei, durch Lassahn und Kneese Dorf durch, fahre ich bis nach Dutzow.

Eigentlich wollte ich noch weiter bis nach Schlagsdorf fahren. Hier ist ein kleiner Rest der ehemaligen Grenzbefestigung erhalten und ein kleines Museum erinnert an die Grenze. Dank meiner Bummelei ist die Zeit aber schon ganz schön vorangeschritten. So verschiebe ich den Besuch auf ein anders mal und biege wieder gen Westen ab, zurück nach Ratzeburg. Auf der Kreisstraße zwischen Kittlitz und Salem bin ich nun fast noch alleiner unterwegs als vorher.

Dicke schwarze Wolken lassen in Salem nicht gutes erahnen.  Bisher bin ich ganz gut damit gefahren, meine Regenjacke in der Tasche zu lassen. Lediglich ein paar einzelne Tropfen haben mich mal erwischt. Jetzt kann ich aber die Regenwand richtig sehen, die auf mich zu rauscht und auch schon da ist, als ich unter einen Baum verschwinde. Schnell die Jacke aus der Tasche und angezogen. Doch schon beim Anziehen des Helmüberziehers, lässt der Regen wieder nach. Also den Überzieher wieder in die Tasche. Nein, gleich wieder raus. Der nächste fette Schauer kommt angerauscht. Überzieher auf dem Helm, Schauer wieder vorbei. Jetzt kann mich das Wetter mal. Es sind nur noch ein paar Kilometer bis zu Ziel. Die Regenklamotten bleiben an.


DDR Grenze DDR Grenze

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