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Deutschland der Länge nach / Suderburg nach Gifhorn

 6. Etappe: Suderburg – Gifhorn
 76,55 Km, 4:35 Stunden, Ø 17,01 Km/h

Ein nasses Zelt am Morgen bringt Kummer und Sorgen. Auch in dieser Nacht hat das Zelt dem Regen standgehalten. Nach dem Öffnen des Reißverschlusses, zeigt allerdings die Zeltwiese eher eine Ähnlichkeiten mit der Mecklenburger Seenplatte. Zum Glück haben alle Camper ihren Platz gut gewählt und niemand muss heute Morgen aus einem Zelt im See kriechen. In den Seen auf der Wiese, spiegeln sich die ersten zarten Sonnenstrahlen.

Auch meine Nachbarin schaut, noch leicht zerknittert, aus dem Zelt heraus. Die Band vom Fest am Hardausee war spitze und sie hatten trotz des Wetters viel Spaß, erzählt sie mir, während sie die nasse Wäsche vom Vortag auf die Leine hängt. Sie wollen noch bis Mittwoch bleiben, bevor sie sich wieder für drei Tage mit den Rädern auf den Rückweg machen.

Ein nasses Zelt am Morgen einzupacken macht keinen Spaß. Mal abgesehen davon das es quatschig ist und sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit glitschig um Beine und Arme wickelt, muss es im Laufe des Tages wieder aus den Taschen heraus und zum Trockenen aufgehängt werden, wenn es am Abend wieder schön kuschelig und trocken sein soll. Eine Arbeit die ich mir gern ersparen würde. Nach dem Packen und einem kurzem Frühstück im Stehen, geht es wieder weiter.

Hier war der Helm wichtig :-)
Hier war der Helm wichtig 🙂

Regen und der Wind haben ihre Spuren auf der Straße und dem Radweg hinterlassen. Im Slalom durch herumliegende Äste, fahre ich bis zum nächste Abzweig um die erste Pause am Schilderbaum zu machen. Hier lang oder da lang, das ist hier die Frage. es dauert nicht lange und drei Radler aus der anderen Richtung stehen genauso fragend vor den Schildern. Gemeinsam klären wir wohin wir weiter fahren sollen, wenn ich jetzt in die Richtung fahre woher die Radlkollegen gerade kommen, versprechen sie mir die nächsten 14 Kilometer nur Wald und Felder.

Da denkt man, man ist in der Heide unterwegs und dann fährt man fast ausschließlich durch Wälder und Felder. Nicht dass es hier nicht idyllisch wäre, nur die Erwartungen sind etwas anders. Ganz erstaunt bin ich auch über das, was so am Rand der Wege alles wächst. Blaubeeren, leider fast alle weggefuttert. Pilze, an so etwas traue ich mich nicht ran. Radkappen von Autos, wie kommt das in den Wald?

Eine Schutzhütte zur Mittagszeit, kommt gerade recht für eine Ausgiebige Pause. Fast noch jungfräulich strahlt das frische Holz der Hütte und die Anlehnbügel für Fahrräder sind ein zusätzliches Argument hier halt zu machen. Als Kleinigkeitskrämer könnte man jetzt noch monieren, dass keine Bank und kein Tisch vor der Hütte stehen. So könnte man es sich in der Sonne bequem machen. Bank und Tisch warten im Inneren der Hütte auf den Pause bedürftigen Rad- und Fußwanderer. Irgendein liebenswerter Geist möchte den Rastenden die Zeit wohl ein bisschen verschönern. Anders kann ich mir das Buch, das oben im Gebälk steckt, nicht erklären. Der Kanal von Manfred Bieler steht auf dem Cover. Mal sehen, wie es ist. Ich nehme das Buch aus dem Gebälk und schaue auf die Rückseite um die kurze Beschreibung zu lesen. Doch anstelle der Beschreibung, zieht ein Aufkleber mit der Aufschrift www.bookcrossing.com meine Aufmerksamkeit auf sich. Zu Hause recherchiere ich nach bookcroosing und dort auf der Webseite steht folgendes beschrieben – Das Freilassen von Büchern, die Andere finden, lesen und darüber erzählen. Allerdings lebt BookCrossing davon, dass wir BookCrosser Rückmeldungen von diesen Büchern erhalten. Kurz gesagt, bei über Bookcroosing wird das Buch freigelassen und darf sich selbst sein Herrchen oder Frauchen auf Zeit suchen.

Schaffe schaffe Kloster Hankensbüttels nebens Häusle baue

Das Otterzentrum in Hankensbüttel lasse ich für dieses Mal links liegen, ein Rundgang durch das Gelände des Klosters Isenhagen soll dem Kulturbedürfnis heute genügen. Es ist weniger die Geschichte des Klosters die meine Aufmerksamkeit auf sich lenkt, vielmehr ist es die sonderbare Anordnung vom Klostergebäude zu einem Nebenhaus. Ganz dicht beieinander stehen beide die beiden Backsteingebäude und es sieht so aus, als hätte das Nebenhaus einen Teil von sich hergeben müssen, um den Klostermauern Platz zu machen.

Kloster Isenhagen bei Hankensbüttel
Kloster Isenhagen bei Hankensbüttel

Im Gegensatz zu den gestrigen Sand und Buckelpisten, gibt es heute für Radfahrer fast immer einen schmalen Pfad aus feinem Schotter neben dem sandigen Hauptweg. So dass das Radfahren um einiges erträglicher ist, sofern kein Gegenverkehr die Spur für sich beansprucht. Je näher ich Gifhorn komme, je häufiger kommen mir denn auch Radfahrer entgegen. Als wollten sie mich nicht sehen, schauen sie in den Wald und halten dabei direkt auf mich zu. Wenn ich dich nicht bemerke, musst du mir ausweichen, so scheint der Gedanke. Und Ausweichen heißt auf dem schmalen Pfad auch immer anhalten. Mit dem vollgeladenen Fahrrad wahrlich kein Spaß.

Der Glockenpalast in Gifhorn – gewidmet Albert Schweitzer und Michail Gorbatschow

Wer von Norden aus Gifhorn erreicht, kommt am Mühlenmuseum vorbei und danach leicht ins Staunen. Mitten im Herz von Westeuropa, steht einem russischen Kloster

gleich, ein Gebäude das mit Türmchen, Dächlein, Erkerchen, in Gold und blau und bunt nur so strotzt. So zumindest der erste Eindruck. Das imposante Gebäude ist nach einer Idee von Horst Wrobel hier entstanden. Dem heute über 70 Jährige kam die Idee nach der Wende in den Sinn. Sein erstes Holzmodell durfte der damalige erste Viezebürgermeister Stankt Petersburgs Wladimir Putin, schon bewundern. Zur Grundsteinlegung war Michael Gorbatschow der Ehrengast. Ganze 16 Jahre Bauzeit gingen bis zur Eröffnung ins Land. Horst Wrobel glaubte an sein Werk und fand immer wieder Geldgeber, die ihn mit Spenden unterstützten.

Glockenpalast Gifhorn
Glockenpalast Gifhorn

Am Tankumsee will ich für diese Nacht mein Zelt aufstellen. Auf der Karte sind zwei Campingplätze eingezeichnet. Ich entscheide mich für den Naheliegensten und wundere mich schon bei der Anfahrt, über den für PKWs abgesperrten Weg. Der Platz entpuppt sich dann auch als Jugendzeltplatz und nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Schade aber auch, die Lage wäre doch recht schön gewesen. Im zweiten Anlauf, auf der gegenüberliegenden Seeseite, bin ich dann richtig. Auf der Zeltwiese steht schon ein grünes Tunnelzelt wie ich es auch habe. Nur ein bisschen jünger ist es. Nach dem Duschen und Abendessen, treffe ich auch meinen Nachbarn. Alexander ist auf dem Weg nach Fehmarn. Es ist seine erste große Reise durch Deutschland mit dem Fahrrad. Zwischen Schule und Studium war er das Jahr zuvor für fünf Wochen in Japan unterwegs. Jetzt studiert er japanisch, genießt die Semesterferien und freut sich auf seine Freundin, die er auf der Insel besuchen möchte.

7. Etappe: Von Suderburg nach Gifhorn

5. Etappe: Von Lauenburg nach Suderburg


  • Wo ist die Heide? Hier ist nur Wald.
    Wo ist die Heide?

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