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Ostseeküstenradweg – Von Rerik nach Rostock

Blaue Ostsee, schöne Bäder und eine (fast) verlassene Stadt

So schön wie der letzte Tag zu Ende ging, so schön fängt der neue Tag an. Die Sonnensteht schon ein gutes Stück weit oben am Himmel und lässt die Ostsee im schönsten Blau und Grün strahlen. Da muss der Morgenkaffee warten. Zuerst werden ein paar Bilder gemacht. Während ich mich auf die Bilder konzentriere, schiebt sich heimlich still und leise der Hochnebel über den Campingplatz. Das war es dann auch schon wieder mit der schönen Morgenstimmung.

Mit dem Verschwinden der Sonne, ist es auch wieder etwas frisch geworden. Beste Zeit um sich die Nase mit einem Kaffee zu wärmen. Der Kocher zischelt vor sich hin und bringt das Wasser schnell zum Kochen. Und kaum schwebt der Kaffeeduft über den Platz, steckt auch Jarla den Kopf aus dem Schlafsack. Nein, sie will keinen Kaffee. Sie ist einfach wach geworden von der Helligkeit und dem Radau den die Vögel ringsum machen.

Schöne Illusionen am Straßenrand

Nach dem Frühstück mit frischen Brötchen aus dem Campingplatzladen, verschwindet unser 10.000 Sterne Hotel wieder auf dem Fahrrad und wir machen uns wieder den Weg. Bevor wir allerdings wieder Richtung Osten fahren, geht es nochmal 300 Meter in die andere Richtung. Gestern ist uns dort ein kleines Gebäude durch seine Malereien aufgefallen. Türen wo keine sind, Gartengerät das man nicht von der Wand nehmen kann und ein Mann mit einem Hut der oben auf dem Türrahmen sitzt. Tolle Idee statt einheitlich grau für das Stromhäuschen.

Nach ein paar Bildern soll es nun aber richtig losgehen. Wie vom Vortag gewohnt, geht es auf und ab durch die Felder. Die Ostsee ist wieder mal ein rarer Gast und zeigt sich meist nur aus der Ferne. Dafür zeigt sich mehr und mehr die Sonne.

Kühlungsborn – zwischen schönem Ostseebad und trauriger Geschichte

In Kühlungsborn besichtigen wir zuerst einmal den Strand. Die ersten Sonnenhungrige liegen schon im feinen Sand oder jagen flachen Scheiben hinterher. Hey, das sieht hier sehr nach relaxen aus. Wir fahren nach Kühlungsborn rein und sind erst mal so richtig erstaunt. Die Promenade zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Die Häuser in ihrer typischen Bäderarchitektur strahlen um die Wette und die Ostsee strahlt wieder im kräftigen Blau mit. Warum allerdings ein einziges Haus in Bestlage langsam vor sich hin rottet, dass erschließt sich uns nicht. Es wäre ein Jammer wenn dieses Schmuckstück nicht gerettet wird.

Nach einem Eis fahren wir so langsam weiter an der Küste entlang. Im Gegensatz zur westlichen Ostsee, trennt hier ein Streifen des typischen Küstenwaldes den Strand mit Promenade von den Häusern. Hier wurde zu Glück nicht bis fast ans Wasser gebaut. Hier hat der Sozialismus mit seinem Stillstand unfreiwillig dafür gesorgt, dass viel erhalten geblieben ist und heute, so frisch restauriert, einen ganz besonderen Charme ausstrahlt.

Auch eine besondere Ausstrahlung hat der Grenzturm, der hier als Museum ausgebaut wurde. So schön wie dieser Ort durch den Sozialismus geblieben ist, so perfide war das System dahinter, dass sein Bürger mit Waffengewalt eingesperrt hat. Hier oben, in diesen Turm, mussten Menschen drauf aufpassen, dass keine anderen Menschen das Land unter Lebensgefahr über die Ostsee verlassen. Im kleinen Museum sind die geglückten und auch die missglückten Fluchtversuche aufgeführt.

Mit dem freundlichen Mann, der heute für die Besucher da ist, unterhalten wir uns ein bisschen über das Museum. Schnell kommen wir von den Fluchtversuchen, zur der Zeit des Mauerfalls und der Wiedervereinigung. Wir sind uns beide einig, dass wir zwar einen dritten Oktober als arbeitsfreien Tag haben, aber keinen richtigen Tag der die eigentliche Grenzöffnung würdig feiert. Der 3. Oktober ist ohne Frage wichtig. Die eigentliche Leistung zum Mauerfall, wurde aber von den Ostdeutschen Bürgern bis zum 9. November gebracht. Und dieser Tag sollte von allen gefeiert werden.

Das Meer so blau wie die Adria

Ab Kühlungsborn bis hinter Heiligendamm haben wir nun die Ostsee als ständigen Begleiter. Der Strand liegt meist einige Meter tiefer und ist mal sandig mal mit großen Steinen übersäht.

Irgendwo machen wir einen kurzen Halt um die Aussicht zu genießen. Wenn wir es nicht besser wüssten, dann könnte man sich hier fast an die Adria versetzt fühlen. Naja, ein bisschen zumindest.

Endspurt nach Rostock

Bis Rethwisch folgen wir noch dem Ostseeküsten Radweg. Danach fahren wir quer durch die Dörfer um nach Rostock zu kommen. Irgendwo nehmen wir einen falschen Abzweig und landen in einer Kleingartensiedlung. Das könnte man auch Glück nennen. Hier gibt es keinen Verkehr und nur Einheimische verirren sich hierher. Als wir uns an einer Kreuzung mit Hilfe der Karte orientieren, bekommen wir Hilfe von einem anderen Radfahrer. Er meint, wir sollen einfach geradeaus fahren und an der Hauptstraße links. Dann kommen wir direkt nach Rostock. Wir folgen dem Rat und fahren nachher gefühlt zwei Ewigkeiten lang an einer fetten Bundesstraße entlang. Das ist praktisch aber nicht schön.

Die Qualität der Fahrradwege schwankt zwischen ist okay und auch du Sch… was soll das denn sein. Gut geschüttelt erreichen wir das Zentrum von Rostock. Wie schon am Vortag in Wismar, ist hier für das Wetter viel zu wenig los. Eigentlich müsste die Stadt voll sein mit Menschen die flanieren und in den Cafés unter den Sonnenschirmen sitzen. Doch weder sind hier viel Menschen unterwegs, noch hat es hier eine wirkliche Auswahl an Gastronomie.

Bevor wir den Zug zurück nehmen, wollen wir noch etwas essen und setzen uns unter die auslandenden Schirme eines Restaurants. Die Bedienung ist schnell bei uns und überaus freundlich. Die Speisekarte abwechslungsreich und bietet was der Gast von heute erwartet. Das was auf den Tisch kommt, ist aber eher Standard Tüte auf. Das schmeckt gut, ist aber nicht wirklich überzeugend.

Nach dem Essen ziehen wir noch ein bisschen durch die Ecken der Innenstadt und rollen dann langsam zum Bahnhof. Leider müssen wir wieder zurück. Aber wir kommen wieder.

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