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Die Elbe von Glückstadt nach Uetersen 2.Tag

Noch ein bisschen Elbseeing und vor Hamburg nach Norden abbiegen

Dank dessen, dass die Zimmer fast alle zum Innenhof ausgerichtet sind, lässt es sich im Hotel Freihof am Roland doch sehr ruhig schlafen. Eher war es einer meiner Nachbarn, der die Ruhe ein wenig unterbrochen hat. Seinem Fluchen nach, ist er wohl gegen die verschlossene Tür gelaufen. Naja, wenn es denn unbedingt sein muss. Das historische Ambiente des alten Hauses, wird auch im Frühstücksraum durch die liebevolle Gestaltung herausgestellt. In den Nischen zwischen den Fachwerkbalken, warten Tische mit ihren Spuren schon lange vergangener Zeiten, auf die Frühstückgäste. Diese wiederum freuen sich auf ein üppiges Buffet, mit selbstgemachten Fruchtaufstrichen und was des Frühstückers Herz sonst noch alles begehrt. Die Dekoration ist geschmackvoll auf verschiedensten Floh- und Sammlermärkten zusammengetragen und wird von Bildern einiger Künstler aufgelockert. An fast allen dieser Gegenstände, hängt ein kleines Preisschild und fordert den Gast zum Einkaufen auf. Immer wieder verlässt auf diese Weise ein Stück Deko das Haus und macht Platz für neue Fundstücke.

Wedel Hotel Freihof am Roland
Wedel Hotel Freihof am Roland

Vor der Abfahrt bekomme ich noch den Tipp, nicht wie geplant eine Rundtour durchs alte Land zu machen. Vielmehr sollte ich bis Blankenese auf dem Elberadweg fahren und dann über die Hügel der Geest die Elbe verlassen. Und wenn ich noch Lust auf einen Kuchen habe, empfiehlt mir die Gastwirtin das Café „Schönes Leben auf dem Lande“ vor Uetersen. Die Beschreibung hören sich reizvoll an, so wird der alte Plan schnell über Bord geworfen. Nun noch schnell das Lunchpaket abholen, dann kann es losgehen.

Ich sage tschüss zu Wedel

Ich drehe noch eine kurze Runde durch Wedel, vorbei am Theaterschiff Batavia, dann folge ich den Schildern des Elberadwegs. Das diesen Radweg jedes Jahr über 100.000 Radfahrer nutzen, das ist kaum zu spüren. Wie bei vielen Radwegen, stehen die Schilder dort wo es einen Pfosten gibt, wo Planer aus der Perspektive eines Autofahrens denken, das passt schon. Selten stehen sie dort, wo sie für eine sichere und komfortable Navigation gebraucht werden.

Der absolute Höhepunkt ist dann eine Treppe, die in mehreren Absätzen einen Höhenunterschied von fast zehn Metern überwindet. Ein schräger Streifen ohne Stufen am Rand, soll es Radlern möglich machen, hier ihr Rad rauf oder runter zu bugsieren. Dank reichlich Gepäck entwickelt mein Rad ordentlich Schubkraft und ist nur schwer auf der verschmutzten Schräge zu bändigen. Es braucht beileibe nicht viel Phantasie sich vorzustellen, wie nicht so fitte Menschen versuchen hier sicher runter zu kommen und vielleicht noch das Mehrgewicht eines Pedelecs dabei im Griff zu behalten. Das Gleiche gilt auch für Eltern, an deren Rad ein Kinderanhängern die Knirpse durch die Landschaft schaukelt, alte Menschen, Menschen mit Behinderung, etc. An jeder noch so nutzlosen Straße werden zur angeblichen Sicherheit Radwege eingerichtet. Hier kann der Radfahrer doch auch mal … Gerne würde ich den Planern eines solchen Hindernisses mal sagen, was ich gerne mal würde.

Ab hier geht es aufwärts

Blankenese
Blankenese

Rad und Fahrer sind nun eine Ebene tiefer angekommen. Jetzt lässt sich wieder entspannt am Elbeufer entlang Radeln. Das man etwas mehr verdienen muss, um hier in Blankenese wohnen zu können, ist unschwer an den schmucken Häusern am Hang zu erkennen. Dass man hier gerne wohnen möchte, bei dieser Aussicht über den Fluss, ist das leicht zu verstehen. Dort wo Häuser mit bester Aussicht stehen, geht es meist auch bergauf. Dass es hier richtig steil bergauf geht, das soll ich gleich spüren. Die Elbe hat sich hier tief in den überdimensionalen Sandkasten der Geest eingegraben. Ein Gang nach dem anderen, klettert die Kette vorne auf das kleinste und hinten auf das größte Zahnrad. Zu Schluss hilft es nur noch aus dem Sattel zu gehen, um das Rad noch vorbewegen zu können. Oben angekommen, glüht der Kopf und die Jacke kann ihre Atmungsaktivität beweisen.

Schnell geht es über zwei Straßen hinüber und schon ist es wieder grün um mich herum. Nur an den typischen Geräuschen der Zivilisation, die bis hierher vordringen, ist zu spüren dass ich mich immer noch Speckgürtel von Hamburg befinde. Plötzlich öffnet sich der Wald und wie über einen Balkon, bietet sich ein Ausblick über ein tief eingeschnittenes, waldreiches Tal. Ich muss zwar auf die andere Seite des Tals, eine schöne Abfahrt mit anschließend wieder mal angestrengter Auffahrt, bleibt mir diesmal aber erspart. Der Weg für im großen Bogen auf der Höhe entlang, auf die andere Seite.

Endlich ein Platz in der Sonne

Lunchpaket vom Hotel Freihof am Roland
Lunchpaket vom Hotel Freihof am Roland

Es dauert recht lange bis sich endlich eine Bank in der Sonne blicken lässt. Hier kann ich endlich mein Lunchpaket des Hotels genießen. Der Platz am Tisch ist leider schon belegt. Dafür bietet meine Bank einen direkten Blick auf den kleinen Weiher dieser Lichtung. Tomate mit Mozzarella, leckere Brothäppchen, Trauben und noch einige andere Leckereien verschwinden nach und nach im hungrigen Radlermagen.

Bevor ich nun endgültig nach Uetersen fahre, möchte ich noch das empfohlen Café testen. Schönes Leben auf dem Lande heißt es und liegt keine fünf Kilometer vor der Rosenstadt. Das schöne Ambiente des alten Bauernhauses, lockt nicht Menschen nur zum Kuchenessen an. Doch erst mal muss ich bestellen. Der Apfelschmandkuchen soll es sein. Es dauert nicht lange und das Stück Kuchen steht auf dem Tisch. Es benötigt noch weniger Zeit und es ist belagert von Wespen. Es ist unmöglich auch nur ein Stück des Kuchens, ohne die Plagegeister zu stören, vom Kuchen zu lösen. Jeder Bissen will genau beobachtet sein, damit auf dem Weg in den Mund keiner dieser gelb schwarzen Flugtiger mitgenommen wird. Um wenigstens den Kaffee in Ruhe trinken zu können, versuche ich die Götter dieser Flugtiere mit einem kleinen Stück der Leckerei zu besänftigen und stelle den Rest als Opfergabe auf die andere Seite des Tisches. Siebzehn Wespen zähle ich, die sich um dieses Stück streiten.

Parkhotel Rosarium in Uetersen
Parkhotel Rosarium in Uetersen

Nachdem der Kuchen gerecht geteilt ist, fahre ich dann nach Uetersen rein. Am Rosarium wartet ein Bett im Parkhotel auf mich. Mein Fahrrad verschwindet in einer Garage des Hotels, dort warten schon wieder einige Artgenossen auf den zusätzlichen Gast. Der Radler zieht ein Zimmer mit weichen Bett und warmer Dusche vor.

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